Neue EU-Richtlinien treffen Banken und Baufirmen » Finanzen Heute

Neue EU-Richtlinien treffen Banken und Baufirmen

Die Deutschen waren schon immer ein Volk von Häuslebauern, denn die meisten wollen lieber in den eigenen vier Wänden als zur Miete wohnen. Der Trend zum eigenen Heim begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wohnraum knapp war und die ersten Bausparkassen mit günstigen Darlehen den Bau des Eigenheims für fast jeden möglich gemacht haben. Diese Zeiten sind vorbei, da neue EU-Richtlinien denjenigen das Leben schwermachen, die bauen wollen. Aber nicht nur die potenziellen Bauherren müssen unter den EU-Richtlinien leiden, auch die Baufirmen haben mehr und mehr Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Nicht jeder kann bauen

Die Zinsen sind auf einem historischen Tief, trotzdem wird immer mehr Deutschen die Möglichkeit genommen, einen günstigen Immobilienkredit aufzunehmen und ein eigenes Haus zu bauen oder zu kaufen. Betroffen von den neuen EU-Richtlinien sind vor allem junge Familien, aber auch ältere Menschen, die noch einmal ein Haus bauen möchten, bekommen von den Banken statt des Kreditvertrags eine Absage. Es sind die neuen Kreditrichtlinien, die die Banken beachten müssen und die dafür sorgen, dass den Baufirmen die Kunden wegbrechen. Aber die EU-Richtlinien treffen nicht nur die Neubauten, sie sind auch ein Hindernis, wenn es darum geht, ein altes Haus zu renovieren oder zu sanieren.

Härtere Vorgaben – die neuen EU-Richtlinien

Die internationale Finanzkrise hat die EU dazu verleitet, die Regeln für die Kreditvergabe neu zu definieren. In Deutschland werden diese harten Vorgaben schon seit März dieses Jahres umgesetzt und jetzt bekommen die Baufirmen, aber auch diejenigen, die einen Immobilienkredit brauchen, die Auswirkungen zu spüren. Im Grunde sind die Richtlinien der EU nicht schlecht gedacht, denn sie sollen verhindern, dass sich Menschen in hohe Schulden stürzen, die sie nicht mehr überblicken und auch nicht mehr bewältigen können. Was vielleicht gut gemeint war, ist in der Realität jedoch schnell zu einem Problem geworden, denn wer heute nicht über das nötige Einkommen verfügt, der kann auch nicht mit der Hilfe eines Immobilienkredits bauen.

Das Beispiel Österreich

In Deutschland wurden die neuen EU-Richtlinien scharf kritisiert. In Österreich wurden die Richtlinien zwar umgesetzt, aber die Regierung hat es ein wenig schlauer angestellt und ihren Bürgern die Tür zum eigenen Haus ein Stückchen weiter geöffnet. Im Nachbarland gelten zwar die EU-Richtlinien, aber nicht für den Bau und die Renovierung sowie Sanierung von privaten Immobilien. Das heißt, wenn eine junge Familie in Wien oder Graz bauen will, dann darf sie das nach wie vor auch dann, wenn das Einkommen nicht besonders hoch ist. Die Bauherren in Österreich können also die Chance nutzen und die niedrigen Zinsen für den Bau oder die Renovierung eines Hauses nutzen.

Immobilien gegen die Altersarmut

Viele junge Familien sehen das eigene Haus auch als ein Mittel gegen die drohende Armut im Alter, aber genau das erweist sich jetzt als Hindernis. Die Banken müssen nach den Vorgaben der EU davon ausgehen, dass diejenigen, die heute bauen wollen, im Alter nicht mehr die finanziellen Mittel haben, um das Haus zu halten, da die Rente zu niedrig ist. Damit sehen die Kritiker der Richtlinien einen großen Fehler, der in Deutschland gemacht wurde, denn die Richtlinien werden nicht nur erfüllt, sondern mehr als erfüllt. Dieser blinde Gehorsam gegenüber der EU hat dazu geführt, dass es kaum noch Spielräume gibt und sehr vielen Deutschen die Möglichkeit genommen wird, sich gegen Altersarmut zu wappnen. Die Sparkassen beklagen schon jetzt den Rückgang im Kreditgeschäft in der Sparte Immobilienkredite, denn schon im ersten Halbjahr wurden deutlich weniger Kreditanträge bewilligt als das im vergangenen Jahr der Fall war. Rund neun Prozent sind es im ersten Quartal 2016 gewesen und die Banken rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und dass immer weniger Deutsche ein eigenes Haus bauen können.

Bild: © Depositphotos.com / Ale-ks

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.