Ein umstrittener Deal – Bayer übernimmt Monsanto » Finanzen Heute

Ein umstrittener Deal – Bayer übernimmt Monsanto

Auf der Liste der Firmen, die einen besonders schlechten Ruf haben, steht das amerikanische Unternehmen Monsanto ganz weit oben. In Europa steht Monsanto vor allem für gentechnisch veränderte Lebensmittel, auch dass Monsanto das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat produziert, trägt nicht eben zu einem guten Image bei. Entsprechend zurückhaltend waren daher auch die Reaktionen, als bekannt wurde: Bayer übernimmt Monsanto, und das, obwohl seit längerer Zeit feststand, dass der Chemieriese aus Deutschland Interesse an dem amerikanischen Biotechnologiekonzern hat. Seit Mai hat sich Bayer um Monsanto bemüht, jetzt klappt es endlich mit der Übernahme.

Zähe Verhandlungen

Lange hat es gedauert und eine Zeit lang sah es so aus, als würde aus der Übernahme nichts werden, aber Bayer hat offenbar nicht nachgelassen und den Preis immer wieder nach oben korrigiert, bis Monsanto nicht mehr Nein sagen konnte. Das erste Angebot wurde Anfang Mai gemacht, als es hieß: Bayer übernimmt Monsanto für die Summe von 62 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro). Aber mit dieser Summe gaben sich die Amerikaner nicht zufrieden und so wurde weiter verhandelt. Jetzt hat man sich geeinigt, und zwar auf einen Preis von 66 Milliarden Dollar, rund 60 Milliarden Euro. Damit ist die teuerste Übernahme, an der ein deutsches Unternehmen beteiligt ist, unter Dach und Fach. Bayer übernimmt Monsanto – das ist mehr als ein Prestigeobjekt für das Unternehmen aus Leverkusen, durch die Fusion wird Bayer die unumstrittene Nummer eins bei der Agrarchemie weltweit.

Bayer übernimmt Monsanto mithilfe der Banken

Alleine kann auch ein so großes Unternehmen wie Bayer eine Übernahme in dieser Größenordnung nicht stemmen, die Banken müssen dabei helfen. Bayer übernimmt Monsanto mit einer Mischfinanzierung aus eigenem und fremdem Kapital, das heißt, nur 19 der 66 Milliarden Dollar bezahlt Bayer, den Rest übernehmen die Banken. Bayer erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr und das bereits ab dem dritten Jahr nach dem Abschluss der Übernahme.

Welche Vorteile erhofft sich Bayer?

Bayer wird nicht müde, immer wieder die Vorteile der Fusion mit Monsanto zu betonen. Fest steht, dass besonders die Agrarindustrie durch die immer schneller wachsende Weltbevölkerung, aber auch durch die globale Erwärmung vor ständig wachsenden Herausforderungen steht. Bayer übernimmt Monsanto und erhofft sich, dass die Fähigkeiten der beiden Konzerne in der Lage sein werden, auf dringende Fragen die wegweisenden Antworten zu geben. Es wird geschätzt, dass im Jahre 2050 mehr als drei Milliarden Menschen ernährt werden müssen, während gleichzeitig die Landwirtschaft die dramatischen Folgen der Globalisierung irgendwie in den Griff bekommen muss.

Was macht Monsanto für Bayer so interessant?

Das internationale Geschäft vor allem mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut steht vor großen Umbrüchen. Monsanto und Bayer sind daher nicht die einzigen Firmen, die fusionieren möchten, denn der Markt ist umkämpft. Für Bayer steht das Know-how der Amerikaner auf dem Gebiet der Biotechnologie im Vordergrund, denn Monsanto hat eine führende Rolle, wenn es um das sogenannte „Digital Farming“, die Nutzung von verschiedenen digitalen Techniken in der Landwirtschaft geht. Das Vorhaben, die beiden Konzerne zusammenzuführen, wurde sowohl vom Monsanto Verwaltungsrat als auch vom Vorstand und dem Aufsichtsrat von Bayer einstimmig beschlossen. Was jetzt noch fehlt, das ist die Zustimmung der Aktionäre und der zuständigen Kartellbehörden. Abgeschlossen wird das gigantische Geschäft sehr wahrscheinlich Ende des nächsten Jahres. Wenn die Fusion jedoch an der Zustimmung der Kartellbehörden scheitern sollte, dann muss Bayer an Monsanto zwei Milliarden Dollar zahlen.

Die Konkurrenz schläft übrigens nicht, denn die zuständigen Behörden der USA haben jetzt einer Fusion zwischen dem Agrarchemie-Konzern Syngenta mit Sitz in der Schweiz und dem staatseigenen Unternehmen ChemChina aus China zugestimmt. Auch Dow Chemical und Dupont verhandeln über einen milliardenschweren Deal, um gegenüber dem neuen Superkonzern Bayer-Monsanto konkurrieren zu können.

Bild: © Depositphotos.com / alferreirafoto.gmail.com

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.