Draghi setzt weiter auf billiges Geld » Finanzen Heute

Draghi setzt weiter auf billiges Geld

Nur Optimisten haben ernsthaft damit gerechnet, dass sich die Geldpolitik des EZB-Chefs Mario Draghi ändern wird. Auch wenn die Geschäftsbanken immer mehr unter der Politik der niedrigen Zinsen ächzen, Draghi setzt weiter auf extrem billiges Geld. Obwohl die Geldflut die erhoffte Wirkung verfehlt und das klassische Geschäftsmodell der Banken zunehmend unmöglich macht, werden die Anleihekäufe, die die Wirtschaft beleben sollen, trotzdem weitergehen.

Böse Worte von der Citibank

Die Citibank hat eine Studie in Auftrag gegeben, und in dieser Studie kommen die Europäische Zentralbank und ihr Chef Mario Draghi alles andere als gut weg. Es ist die Rede von einem Schaden, den das System erleidet, der den Nutzen bei Weitem übersteigt, und dass die Hüter des Euros mit ihrem Kaufprogramm die Wirtschaft niemals beflügeln werden. Es ist kaum anzunehmen, dass die EZB die Kritik der Citibank verinnerlichen wird, aber sie zeigt einmal mehr den Unmut der Branche, wenn es um billiges Geld geht. Wie wenig sich Mario Draghi um die Meinung einer etablierten Bank kümmert, das beweist auch die Tatsache, dass die Mindestlaufzeit des umstrittenen Anleiheprogramms bis zum März des nächsten Jahres ausgedehnt wird.

Draghi wird weiter verlängern

Draghi setzt weiter auf billiges Geld und wird das spätestens am 8. Dezember auch offiziell bekannt geben. Seine Worte nach der siebenwöchigen Sommerpause waren unmissverständlich: Es werde „keine gewichtigen Veränderungen geben“ und „unsere Geldpolitik ist wirksam“. Das war das, was Draghi auch nach mehrmaligem Nachfragen verlauten ließ. Allerdings ließ der Chef der EZB die Frage offen, ob es nun tatsächlich das sogenannte Helikoptergeld geben wird, sein einziger Kommentar zu diesem Thema war lediglich: „Wir haben das nicht diskutiert“. Es geht weiter um billiges Geld, die Wünsche der Investoren werden dabei nicht berücksichtigt. Draghi hatte aber einen Tipp für die Banken: Er empfiehlt ihnen „statt zu klagen, lieber die Volkswirtschaften zu unterstützen“. Es gibt immer die Möglichkeit, Kredite zu vergeben, niedrige Zinsen sind nach der Ansicht von Draghi dabei kein Hindernis.

Billiges Geld in großen Mengen

Immer wieder hat die EZB ihre wichtigen Ziele verfehlt und mittlerweile gehen die Experten von JP Morgan davon aus, dass die EZB, wenn überhaupt, ihr Ziel erst 2022 erreichen wird. Aber auch diese Analyse kann Mario Draghi nicht schocken und er wird nicht müde, zu betonen, wie erfolgreich sein Programm ist. So sei die Kreditvergabe deutlich gestiegen, gleichzeitig sei die Differenz der Renditen in Europa geschrumpft. Nach Draghis Meinung ist die Gefahr gebannt, dass die Euro-Zone zerfällt. Finanzexperten sind jedoch nach wie vor beunruhigt und hoffen einfach, dass die Märkte in Europa zumindest bis zum Dezember ruhig bleiben.

Wohin fließt das viele Geld?

Die Studie der Citibank geht mit der Geldpolitik der EZB scharf ins Gericht und wirft Mario Draghi vor, die Volksgemeinschaften zu zersetzen. Die EZB zerrüttet mit ihren niedrigen Zinsen unter anderem auch die Pensionssysteme und die Unterdeckung für die private Altersvorsorge hat einen neuen negativen Rekord erreicht. Die Ungleichheit in den Gesellschaften wird immer gravierender, so besitzen zum Beispiel in den USA zehn Prozent der Einwohner 60 mal mehr als das zweitreichste Viertel der Bevölkerung. Die Studie führt auch vor Augen, wohin das viele Geld eigentlich fließt, und zwar nicht in die real existierende Gesellschaft, sondern nur in den Ankauf von Anleihen und Aktien. So wird eine Art Scheinaufschwung erzielt, der aber ebenso schnell wieder in sich zusammenfallen kann, wie er aufgebaut wurde. Gleichzeitig werden die Geschäftsbanken in Europa durch die anhaltend niedrigen Zinsen immer mehr geschwächt und es ist keineswegs Zufall, dass die Kurse der Bankaktien zusammen mit den Zinsen immer weiter in die Tiefe stürzen. Billiges Geld und niedrige Zinsen, so die Studie der Citibank, erreichen letztendlich nur eines, sie ruinieren die Banken.

Bild: © Depositphotos.com / ilolab


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.