USA gegen EU – der Finanzstreit droht zu eskalieren » Finanzen Heute

USA gegen EU – der Finanzstreit droht zu eskalieren

Es ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr nur eitel Sonnenschein zwischen den USA und der EU, aber jetzt hat es den Anschein, als würde der Streit völlig aus dem Ruder laufen. Das TTIP-Abkommen läuft nicht wie geplant, Apple wird von der EU zur Kasse gebeten und die USA brummen der Deutschen Bank eine saftige Strafe auf. Der Streit USA gegen EU geht in eine neue Runde. Eine nicht unwesentliche Rolle bei diesem Streit spielt der ausgesprochen populistisch geführte Wahlkampf in den Vereinigten Staaten, der immer erbitterter geführt wird.

Wie du mir, so ich dir

Jahrelang lief alles zur vollen Zufriedenheit für beide Seiten und von einem Streit USA gegen EU konnte keine Rede sein. Amerikanische Großkonzerne wie Apple oder die Kaffeekette Starbucks hatten in der EU ein Schlupfloch gefunden, um massiv Steuern zu sparen und das Handelsabkommen TTIP sollte sozusagen das Sahnehäubchen auf der Freundschaft zwischen den USA und der EU sein. Jetzt aber ist alles ganz anders, jetzt häufen sich die transatlantischen Streitigkeiten. Ein neuer Höhepunkt im Drama USA gegen EU wurde am vergangenen Freitag erreicht, als die USA die Deutsche Bank zu einer Rekordgeldstrafe von 14 Milliarden Dollar verdonnert haben. Die Strafe kam mit Ansage, denn schon im August hatte der amerikanische Finanzminister Jacob Lew ganz ungeniert „Vergeltungsmaßnahmen“ angekündigt, falls die EU auf die Idee kommen sollte, Apple für seine Steuersünden zu bestrafen.

USA gegen EU – wer hat mehr zu verlieren?

Im Streit USA gegen EU schenken sich die beiden Parteien nichts. Die EU will Apple zwingen, die Steuerschulden in Höhe von 13 Milliarden Euro zu bezahlen, die USA antworten prompt und bestrafen die Deutsche Bank. 1,9 Milliarden will die EU von Microsoft haben, weil das Unternehmen gegen den fairen Wettbewerb verstoßen hat, die USA wollen im Gegenzug 15 Milliarden von VW haben, weil die Autobauer aus Wolfsburg bei den Abgaswerten beim Diesel geschummelt haben. Intel hat ebenfalls gegen einen fairen Wettbewerb verstoßen und muss, wenn es nach der EU geht, 1,1 Milliarden Strafe zahlen. Die USA kontern mit einem Verfahren gegen die BNP Paribas Bank, weil sie gegen Sanktionen verstoßen hat und nun neun Milliarden Euro zahlen soll.

Neue Rekorde

Die Streitigkeiten USA gegen EU gibt es nicht erst seit gestern, denn Brüssel und Washington haben sich schon immer über die Sünden der großen Konzerne diesseits und jenseits des Atlantik gestritten. Was aber auffällt, ist, dass die Summen inzwischen rekordverdächtige Höhen angenommen haben, ein sicheres Zeichen dafür, dass es nicht mehr rund läuft zwischen den Europäern und den Amerikanern. Mit Apple und der Deutschen Bank geht der Zwist USA gegen EU in eine neue Runde und diesmal sind vor allem die Amerikaner die Dummen. Apple hat die Steuern in Europa hinterzogen und muss sie daher auch in Europa begleichen, die 13 Milliarden gehen den USA verloren. Die EU ist aber noch lange nicht fertig, sie hat bereits andere Steuersünder im Visier, wie zum Beispiel Amazon.

Meldungen werden lanciert

Die Deutsche Bank ist die erste Bank, die in einem Streit mit den USA derart tief in die Tasche greifen muss, es ist aber nicht die hohe Summe, die auf eine erneute Eskalation des Streites hindeutet. Anders als in früheren Zeiten wurde die Nachricht, dass die Deutsche Bank zahlen muss, vorab an die Presse weitergegeben und das hatte für die größte deutsche Bank Folgen. Nachdem die Nachricht durchgesickert war, sah sich die Deutsche Bank gezwungen, die Forderung über 14 Milliarden Dollar ganz offiziell zu bestätigen. Das macht es in den nun kommenden Verhandlungen weitaus schwieriger, die Summe nach unten zu drücken. Es sieht ganz so aus, als wäre die brisante Meldung ganz bewusst von amerikanischer Seite lanciert worden.

Bild: © Depositphotos.com / jamdesign

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.