Die Deutsche Bank im freien Fall und die Politik schweigt » Finanzen Heute

Die Deutsche Bank im freien Fall und die Politik schweigt

Die negativen Nachrichten für die Deutsche Bank wollen einfach nicht abreißen, der Aktienkurs der Bank saust im freien Fall in die Tiefe und aus dem Berliner Regierungsviertel ist kein Wort zu hören. Angela Merkel schweigt beharrlich, während sich die Krise um Deutschlands größte Bank immer mehr verschärft. Es ist dieses Schweigen, was die internationalen Finanzmärkte zutiefst verunsichert und gleichzeitig in helle Aufregung versetzt. Wenn nicht bald etwas passiert, dann gerät die Bank in arge Nöte und die Heuschrecken warten schon darauf.

Das Schweigen der Kanzlerin

Angela Merkel ist bekannt dafür, dass sie schwierige Situationen erst einmal auf sich wirken lässt und erst etwas sagt, wenn eine gewisse Zeitspanne verstrichen ist. Mit dieser Taktik ist sie die letzten zehn Jahre relativ gut gefahren, aber es gibt Situationen, die brauchen einfach ein Statement von höchster Stelle. Jetzt steht das wohl wichtigste Bankhaus des Landes im Fadenkreuz und die Kanzlerin hält sich bedeckt, es gibt keine Solidaritätsbekundungen, sondern nur Schweigen. Angela Merkel hat selbst dann nichts gesagt, als klar war, dass die Deutsche Bank eine Strafe von 12,5 Milliarden Euro für zweifelhafte Geschäfte auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt zwischen 2005 und 2007 zahlen muss.

Es ist diese scheinbare Gleichgültigkeit, die die Finanzmärkte weltweit in Aufregung versetzt, zumal die Kanzlerin bei früheren Gelegenheiten nicht sonderlich abgeneigt war, sich einzubringen, wenn es um nationale Interessen ging. Viele stellen sich jetzt die bange Frage: Wie weit muss die Aktie der einstigen Vorzeigebank noch fallen, bevor Angela Merkel endlich ihr Schweigen bricht?

Die Wetten gegen die Deutsche Bank laufen

Die Aktie der Deutschen Bank ist im freien Fall und hat heute den niedrigsten Stand seit den 1980er Jahren. Experten befürchten jetzt, dass der Verfall des Kurses noch rasanter wird, wenn die berüchtigten Hedgefonds einsteigen und gegen die Bank wetten. Bis heute haben Spekulanten geschätzt 500 Millionen Euro in Wetten gegen die Deutsche Bank gesteckt und das sind in etwa drei Prozent des Aktienwertes.

Die 500 Millionen sind vorsichtig geschätzt, es gibt Gerüchte, die sprechen von weitaus höheren Summen. In der letzten Woche wurden auch die sogenannten Leerverkäufe um noch einmal 200 Millionen Euro aufgestockt. Das heißt, Spekulanten leihen sich die Aktien von anderen Investoren und verkaufen diese Aktien dann. Sie hoffen, dass der Kurs dieser Aktien weiter fällt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem deutlich niedrigeren Kurs zu kaufen und anschließend demjenigen wieder zurückzugeben, der sie verliehen hat.

Es wird dementiert

Die Deutsche Bank verhält sich im Moment wie der Sänger im dunklen Wald, der gegen seine Angst ein fröhliches Liedchen trällert. Fast schon verzweifelt wirbt die Bank um Vertrauen und setzt sich gegen alle Spekulationen tapfer zur Wehr. Man sei fest dazu entschlossen, alle kommenden Herausforderungen selbst zu lösen, wird der Sprecher der Bank zitiert. Zudem habe der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, zu keinem Zeitpunkt die Bundeskanzlerin gebeten, im Streit mit dem amerikanischen Justizministerium zu intervenieren, heißt es weiter und auch die wilden Gerüchte um angebliche Geldprobleme werden zurückgewiesen.

Es stellt sich im Moment nicht einmal die Frage nach einer Erhöhung des Kapitals, denn es werden, so der Sprecher der Deutschen Bank, alle regulatorischen Kapitalvorgaben erfüllt.

Die Märkte schauen zu

Es hat ein wenig den Anschein, als wollten die internationalen Finanzmärkte einfach mal testen, wie glaubwürdig die Politik tatsächlich ist und wann sich die Kanzlerin einmischen wird. Das könnte dann der Fall sein, wenn die Deutsche Bank weniger wert sein wird als die 12,5 Milliarden Euro, die jetzt vom amerikanischen Justizministerium gefordert werden. Bis es aber so weit ist, wird man im Kanzleramt weiter schweigen und zusehen, wie die wichtigste deutsche Bank um ihr Überleben kämpft.

Bild: © Depositphotos.com / Petrovich99


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.