Das britische Pfund im freien Fall – nur ein Computerfehler?

Veröffentlicht: 11. Oktober 2016 | 18:06 Uhr
Das britische Pfund im freien Fall – nur ein Computerfehler?

Ohne moderne Computertechnik geht heute so gut wie nichts mehr, aber Computer sind eben nur so intelligent, wie die Menschen, die die Computer programmieren und bedienen. Weit weg von Großbritannien, in der japanischen Hauptstadt Tokio, muss jemand einen riesigen Fehler gemacht haben, dann das britische Pfund rauschte ohne erkennbaren Grund plötzlich in die Tiefe. Statt 1,13 Euro gab es für das britische Pfund auf einmal nur noch 1,08 Euro, ein Minus von sechs Prozent, gegenüber dem Dollar war der Kursverlust sogar noch massiver, denn hier fiel das Pfund von 1,26 auf 1,18 Dollar. Angeblich alles wegen eines Computerfehlers.

Die Banker sind ratlos

Das britische Pfund konnte sich nach seinem rasanten Absturz zwar schnell wieder erholen und stieg von 1,11 Euro und auf 1,24 Dollar, aber die Banker sind immer noch ratlos, wie es zu einem solchen tiefen Fall kommen konnte. Nach Meinung von Minori Uchida, dem Chef der japanischen Bank of Tokyo-Mitsubishi, sind offenbar viele Verkaufsaufträge für das britische Pfund eingetroffen, und zwar gleichzeitig, die Ursache könnte ein technischer Defekt gewesen sein. Das Handelsaufkommen war zu diesem Zeitpunkt in Asien eher gering, deshalb hatte dieser Vorgang auch so starke Auswirkungen und das britische Pfund ging auf Talfahrt.

Eine abenteuerliche Erklärung

Nach Ansicht von anderen Bankern und erfahrenen Brokern ist diese Erklärung ein wenig abenteuerlich, denn das Handelspaar Pfund und Dollar ist ein sehr liquides Paar und das rund um die Uhr, auch mitten in der Nacht. Es kann natürlich vorkommen, dass die Liquidität auch mal geringer sein kann, aber ein Abverkauf, bei dem es um acht Cent geht, das ist so gut wie nicht möglich. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Handelsalgorithmen eine Fehlfunktion hatten und es so zu einer Art Beschleunigung der seit Tagen bestehenden Abwärtsbewegung kam. Schuld an diesem Abwärtstrend war der französische Präsident François Hollande, denn dieser hat mehr als deutlich gemacht, dass sich die Briten bezüglich des Brexit auf sehr harte Verhandlungen mit der EU einstellen müssen.

Das britische Pfund und die Salami-Taktik

Der tiefe Sturz des britischen Pfunds kommt für die Finanzwelt nicht aus heiterem Himmel, der Crash hatte sich schon die ganze Woche angekündigt, aber eben nach der Salami-Taktik, es ging scheibchenweise bergab. Experten sind davon überzeugt, dass es einen harten Ausstieg der Briten aus der EU geben wird und das hat zur Folge, dass sich immer mehr Investoren zurückziehen werden. In der Folge gibt es kaum noch Käufer für die Devisen, ausgenommen einige ganz kleine und sehr einsame Spekulanten. Der kurze, aber heftige Crash des Pfunds ist daher ein Zeichen, wie tief die Währung noch fallen kann.

Die Pläne der Theresa May

Viele Finanzexperten sind der Meinung, dass es überhaupt keinen Austrittsvertrag zwischen den Briten und der EU geben wird, weil sich beide Seiten einfach nicht einigen können. Wäre das der Fall, dann würden die britischen Banken das Recht verlieren, von London aus in der EU tätig zu sein. Die britischen Exporteure wären dann gezwungen, Zölle zu zahlen, wenn Produkte in die EU geliefert werden. Dieses Szenario wird immer wahrscheinlicher, seit die Premierministerin Theresa May ihre politische Ziele formuliert hat. Für May hat die Kontrolle der Einwanderung aus den Ländern der EU oberste Priorität und sie geht so weit, dass ein Gesetz in Kraft treten soll, nach dem britische Unternehmen darüber berichten müssen, wie viele Briten und wie viele Ausländer bei ihnen beschäftigt sind. Das Ziel liegt auf der Hand: Die Unternehmen, die viele Mitarbeiter aus dem Ausland beschäftigen, sollen an den Pranger gestellt werden. Das würde vor allem den Finanzsektor treffen, da die Finanzbranche international ist und es würde auch das Ende einer flexiblen, offenen und liberalen britischen Wirtschaft sein.

Bild: © Depositphotos.com / merc67

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.