Warum der Kampf um die weltweite Wirtschaftsordnung begonnen hat

Veröffentlicht: 13. Oktober 2016 | 17:36 Uhr
Warum der Kampf um die weltweite Wirtschaftsordnung begonnen hat

Die Welt ist, was den Handel angeht, grenzenlos geworden, jeder handelt mit jedem und die Globalisierung hat auch den letzten Winkel der Erde erreicht. Es sind die grenzüberschreitenden Investitionen, die so etwas wie das Rückgrat des globalen Handels bilden, aber jetzt sieht es so aus, als stehe die weltweite Wirtschaftsordnung mehr und mehr auf unsicheren Füßen. UNCTAD, die Handelsorganisation der UNO, sieht einen drohenden Zusammenbruch dieser grenzüberschreitenden Investitionen. Ein Grund für diesen Zusammenbruch ist Europa, der Kontinent, der für die weltweite Wirtschaftsordnung eine zentrale Rolle spielt.

Der weltweite Handel stagniert

Die weltweite Wirtschaftsordnung fürchtet sich vor allem vor zwei Dingen, dem Populismus und dem Protektionismus und beide sind weltweit gerade auf dem Vormarsch. Sie hinterlassen im weltweiten Handel deutliche Spuren. Schon in diesem Jahr werden immer weniger Investoren ihr Geld in Unternehmen abseits ihres heimatlichen Marktes stecken, die UNCTAD rechnet mit einem Verlust zwischen zehn und 15 %. 1,8 Billionen Dollar wurden im Jahr 2015 für die Übernahmen von Firmen, für Projekte und Fabriken ausgegeben, in diesem Jahr werden es nur noch 1,5 Billionen Dollar sein. Viel beunruhigender ist hingegen, dass sich die weltweite Wirtschaftsordnung nicht mehr so schnell erholen kann, sehr wahrscheinlich wird erst im Jahr 2018 das Niveau von 2015 erreicht werden.

Die Schäden für die weltweite Wirtschaftsordnung sind gravierend

Die UNCTAD ist bisher davon ausgegangen, dass die Investoren ihre Entscheidungen nur aufgrund des politisch sehr unsicheren Klimas zurückstellen, aber jetzt sieht es nach einem nachhaltigen Schaden für die weltweite Wirtschaftsordnung aus. Die UNCTAD ist pessimistisch, denn der Weg zurück ist meist sehr schwierig und das in einer Zeit, wo die Welt sehr dringend neue Investitionen braucht. Die Prognose der UNO Handelsorganisation kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für den globalen Handel, denn das Wachstum ist sehr schwach und es droht eine lange Zeit der Stagnation. Schlechte Aussichten sind momentan also das Letzte, was die weltweite Konjunktur jetzt gebrauchen kann.

Europa spielt die wichtigste Rolle

Es hat den Anschein, als wäre der Prozess der weltweiten Öffnung der Grenzen erst einmal gestoppt, denn immer mehr Menschen weltweit fürchten sich vor einer allzu offenen Ökonomie und dem damit zwangsläufig verbundenen Wettbewerb. In den USA stehen die Wahlen vor der Tür und beide Kandidaten, Donald Trump und auch Hillary Clinton, haben jetzt schon angekündigt, dass sie die Freihandelsabkommen mit Europa auf den Prüfstand stellen wollen. Aber nicht nur in den USA ist man vorsichtiger geworden, auch in Europa können die Politiker nicht mehr mit einem Bekenntnis zum globalen Handel punkten. Das Problem ist jedoch, dass man die Uhr und damit auch die Globalisierung nicht mehr zurückdrehen kann, aber genau das prognostiziert die UNCTAD.

Wie kann der Prozess aufgehalten werden?

Global ist out, national ist in – es war die europaweite Flüchtlingskrise, die den Populisten und Nationalisten wieder Tür und Tor geöffnet hat, denn sie fordern eine Abschottung und sie haben damit immer mehr Erfolg. In Europa begann der Siegeszug der Globalisierungsgegner und 2016 ist so etwas wie ein Schicksalsjahr für den Kampf um die weltweite Wirtschaftsordnung. Der Kampf tobt aber auch zwischen den Befürwortern eines weltweiten freien Handels und den Nationalisten und Populisten, und aktuell sieht es so aus, als würden die Befürworter diesen Kampf verlieren. Tragisch dabei ist aber, dass nicht nur die Industrienationen, sondern auch die Schwellenländer unter diesem Duell leiden. Länder wie Deutschland, die vom internationalen Handel besonders stark profitieren, müssen mit starken Einbußen rechnen, denn es sind nicht nur Arbeitsplätze in Gefahr, auch die nationale Ordnung ist gefährdet. Wie es weiter geht, das steht noch in den Sternen, aber wenn der nationale Trend anhält, dann wird die Globalisierung eines Tages vor ihrem endgültigen Aus stehen.

Bild: © Depositphotos.com / SergeyNivens

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.