CETA-Abkommen – was wissen wir über den Partner Kanada?

CETA-Abkommen – was wissen wir über den Partner Kanada?

CETA – alleine das Wort löst in Europa Panik aus. Das Freihandelsabkommen sorgt für jede Menge Spekulationen und für noch mehr Proteste, vor allem in der kleinen belgischen Region Wallonien, wo sich die Bürger verzweifelt gegen das CETA-Abkommen wehren. CETA hat es sogar geschafft, das ebenfalls sehr umstrittene Handelsabkommen TTIP in den Hintergrund zu drängen. Aber warum haben alle so große Angst vor dem Abkommen mit Kanada? Was weiß man über den Handelspartner auf der anderen Seite des Ozeans?

Ein furchteinflößender Riese?

Aus der Ferne betrachtet ist Kanada ein Riese, der gemessen an der Zahl seiner Fläche, das zweitgrößte Land der Welt ist. Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung liegt dieses riesige Land aber knapp hinter Italien, bekanntlich eines der Sorgenkinder der EU. Der Blick auf Deutschland ist noch deutlicher, denn während Deutschland eine Wirtschaftsleistung von 3495 Milliarden Dollar hat, bringt es das große Kanada nur auf 1532 Milliarden Dollar, also auf gut die Hälfte. Dafür ist der Riese Kanada unter den zehn friedlichsten Länder dieser Welt, weit vor Deutschland, Italien oder Frankreich. Wie kann also ein so friedvolles Land mit einer so geringen Wirtschaftsleistung eine Bedrohung für Europa oder besser gesagt, für den europäischen Wohlstand sein?

Was ist mit der Warenflut aus Kanada?

Das riesengroße Kanada wird Europa mit seinen Waren fluten und so den europäischen Binnenmarkt kaputtmachen – dieses Argument nennen die Kritiker sehr gerne, wenn es um das CETA-Abkommen geht. Wenn man bedenkt, dass Kanada für 2,4 % der weltweiten Warenexporte zuständig ist, dann ist es zweifelhaft, dass Kanada Europa mit Waren aller Art fluten wird. Aktuell ist das nordamerikanische Land, was den Export angeht, auf der gleichen Höhe wie Mexico oder Belgien. Im vergangenen Jahr war sogar das eher unbedeutende Algerien besser im Exportgeschäft unterwegs als Kanada.

Kanada, das Öl und die Lebensmittelsicherheit

Im geplanten CETA-Abkommen zwischen Kanada und der EU geht es unter anderem auch um Öl. Vielleicht ist Kanada ja wirklich ein Konkurrent für die EU auf diesem Gebiet. Eher nicht, zwar ist Öl der wichtigste Exportartikel der Kanadier, aber die Konkurrenten heißen USA, Russland und die OPEC-Staaten und nicht die EU. Es sei denn, man sitzt in Wallonien auf riesigen Ölvorräten und weiß noch nichts davon. Ein weiterer angsteinflößender Faktor ist die Lebensmittelsicherheit, ein Punkt im CETA-Abkommen, der den meisten Europäern Sorgen bereitet. Jedes Jahr ermittelt die Weltgesundheitsorganisation WHO anhand von 20 Kriterien die Sicherheit der Lebensmittel weltweit und die höchste Punktzahl, die vergeben werden kann ist 100. Kanada erreicht diese 100 Punkte jedes Jahr wieder, Frankreich und Deutschland hingegen schaffen das nur manchmal.

Kanada hat zu hohe Schulden

Kanada hat nicht nur Schulden, Kanada hat horrend hohe Schulden, aber das hat einen Grund, denn während der Finanzkrise hat der Staat keine einzige Bank „gerettet“. Selbst als Ende der 1990er Jahre der Untergang der Finanzsysteme sehr nahe schien, machte die Royal Bank of Canada weiter Gewinne. In der Folge steht heute keine der sechs großen kanadischen Banken auf der Liste der 30 systemrelevanten Banken weltweit, in Europa gibt es 13 Wackelkandidaten, die auf der Liste zu finden sind.

Warum wird das CETA-Abkommen abgelehnt?

Woher kommt die Angst vor dem CETA-Abkommen mit Kanada, wo doch alles für ein Handelsabkommen mit einer seriösen und stabilen Wirtschaftsmacht spricht? Es mag an den unruhigen Zeiten liegen, denn in vielen europäischen Staaten, auch in Deutschland, haben die Bürger das Vertrauen in die Politik verloren. Die Bürger sind verunsichert und was vielleicht noch schlimmer ist, sie sind der Meinung, dass die Regierung sie belügt. Dazu kommt das geheimnisumwitterte TTIP Abkommen mit dem USA, das für schlechte Stimmung in der Bevölkerung gesorgt hat, viele befürchten daher, dass sie auch beim CETA-Abkommen über den Tisch gezogen werden.

Bild: © Depositphotos.com / aldorado


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.