Unternehmensbesteuerung – kommt die Reform nach dem Brexit? » Finanzen Heute

Unternehmensbesteuerung – kommt die Reform nach dem Brexit?

Seit einigen Jahren bastelt die EU an einer Reform für die Unternehmensbesteuerung, geklappt hat es aber nie, denn Großbritannien war immer dagegen. Das könnte sich jetzt ändern, denn der Brexit eröffnete völlig neue Perspektiven, wenn es darum geht, schwerreiche Unternehmen endlich dazu zu zwingen, vernünftige Steuersätze zu zahlen. Schon jetzt hat die EU eine sehr lange Liste von Unternehmen, die lächerlich niedrige Steuern zahlen, allen voran Apple, Starbucks oder Fiat. Diese Unternehmen wurden bereits in Irland, Belgien und Luxemburg zur Kasse gebeten, andere Schwergewichte wie zum Beispiel McDonalds und Amazon sollen folgen.

Der Kampf beginnt

Die EU hat den Steuerflüchtlingen den Kampf angesagt. In Zukunft soll verhindert werden, dass Unternehmen ihre Steuern nur in den Ländern bezahlen, die einen niedrigen Steuersatz haben, denn dieses Konzept geht letztendlich zulasten der anderen EU-Partner. Das Problem soll jetzt frontal angegangen werden und schon in dieser Woche werden die Pläne für eine einheitliche Unternehmensbesteuerung in Europa vorgestellt. Die Pläne sehen vor, dass alle Unternehmen, die mehr als 750 Millionen Umsatz machen, die Gewinne und Verluste konsolidiert für Europa berechnen und im Anschluss auf alle die EU-Staaten verteilen, in denen sie vertreten sind.

Der Brexit macht es möglich

Die geplante Unternehmensbesteuerung ist ein Schlag ins Gesicht von Großbritannien, denn es waren die Briten, die in der Vergangenheit eine einheitliche Unternehmensbesteuerung abgelehnt haben. Aber jetzt verlassen die Briten die europäische Familie und die EU muss keine Rücksicht mehr nehmen. Im Frühling werden die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien beginnen und im Rahmen dieser Verhandlungen werden die Briten mit der EU auch über die Steuerpläne nach dem Brexit sprechen müssen. Aber es sind nicht nur die Briten, die die geplante Unternehmensbesteuerung kritisch sehen, es gibt noch andere Staaten, die lieber selbst bestimmen möchten, wen sie wie hoch besteuern. Irland gehört zu diesen Staaten, aber auch Malta und Zypern locken immer mehr Unternehmen mit ihren niedrigen Steuersätzen an.

Die Staaten sollen bei der Unternehmensbesteuerung kooperieren

Um im Vorfeld Streit zu vermeiden, hat die EU die Staaten zur Kooperation aufgerufen. Die Finanzminister der Länder sollten sich die Pläne zur Unternehmensbesteuerung erst einmal in aller Ruhe ansehen und erst dann entscheiden. Es kann nicht sein, so EU-Währungskommissar Pierre Moscovici, dass es nicht möglich ist, ein solides und gerechtes Steuersystem zu schaffen, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst ist. Seit 2011 wird bei der EU diskutiert, wie es gelingen könnte, Unternehmen gerecht zu besteuern, aber über eine Diskussion ist man bislang noch nicht hinausgekommen, denn die Interessen waren einfach zu unterschiedlich.

In kleinen Schritten

Damit der Plan nicht sofort wieder abgeschmettert wird, haben sich die zuständigen EU-Kommissare einen kleinen Trick einfallen lassen: Sie haben die Initiative in viele kleine Schritte aufgeteilt. So soll für den Anfang zunächst über eine gemeinsame Bemessungsgrenze für Unternehmen gesprochen werden, denn in diesem Punkt sind sich die Staaten relativ einig. Dann sollen gemeinsame Kriterien festgelegt werden, wie die Verluste und die Gewinne überhaupt berechnet werden. Beim nächsten Punkt wird es dann allerdings schwierig, denn es geht um die Konsolidierung der Gewinne für Europa. Die Unternehmen würden ihre Gewinne und Verluste für ganz Europa berechnen und sie müssten dann, um eine Steuer erheben zu können, nach einem festgelegten Verteilerschlüssel auf die EU-Staaten verteilt werden. Dieser Punkt wird für Streit sorgen, denn die Staaten müssen sich darauf verständigen, nach welchem Schlüssel die Gewinne aufgeteilt werden. Wenn es nach der EU geht, dann werden Arbeitsplätze, der Umsatz und auch die Vermögenswerte in den einzelnen Staaten für die Bemessung zugrunde gelegt.

Die EU weiß, dass es ein langer Weg zu einer gerechten Besteuerung von Unternehmen wird, aber die EU-Kommission ist sich sicher, dass es gelingen wird, wenigstens den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

Bild: © Depositphotos.com / alexskopje

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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.