Inflation und Nullzinspolitik – deutsche Sparer werden doppelt bestraft » Finanzen Heute

Inflation und Nullzinspolitik – deutsche Sparer werden doppelt bestraft

Die deutschen Sparer werden durch Inflation und Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank enteignet – dieser Meinung vertreten immer mehr namhafte Ökonomen wie zum Beispiel Hans-Werner Sinn. Im Oktober, nach der bislang letzten Sitzung der EZB, hatte es nicht den Anschein, als würde sich in Sachen Inflation und Nullzinspolitik etwas Grundlegendes ändern. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn je länger und beharrlicher die EZB schweigt, umso verunsicherter reagieren die Märkte. Zu dieser fragilen Stimmung gesellt sich jetzt auch noch eine gestiegene Inflation, die bei den deutschen Sparern ebenfalls für Unbehagen sorgt.

Die Auswirkungen von Inflation und Nullzinspolitik

Die Sparer bekommen durch die fatale Zinspolitik der EZB kaum noch etwas für ihr angelegtes Geld und die verschwindend geringen Erträge durch Zinsen werden dann auch noch von der gestiegenen Inflation entwertet, am Ende bleibt also nichts mehr übrig. Nach der Ansicht von Ökonomen wie Hans-Werner Sinn sorgen Inflation und Nullzinspolitik für eine Enteignung der Anleger. Das betrifft zwar nicht das momentan vorhandene Kapital, aber es gilt sehr wohl für die Zukunft, denn eine Rente aus Ersparnissen ist eine Illusion geworden.

Es bleibt nichts mehr übrig

Inflation und Nullzinspolitik haben die Vorsorge fürs Alter zunichtegemacht. Wer in früheren Zeiten über einen Zeitraum von 30 Jahren bei einem guten Zinssatz für seine Rente gespart hat, der hatte nach dem Austritt aus dem Berufsleben zwei Drittel Erspartes aus Zinsen und Zinseszinsen und ein Drittel aus dem eigentlich Ersparten. Durch die EZB kommt es aber jetzt zu einer gefährlichen Kombination aus Inflation und Nullzinspolitik, was für den Sparer bedeutet, er bekommt nicht einmal mehr das letzte Drittel aus dem eigentlich Ersparten. Die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von fünf Prozent an und wenn das gelingt, dann schrumpfen die Ersparnisse noch mehr zusammen.

Die Inflation steigt weiter

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass im gesamten Euroraum die Inflation angestiegen ist. Für die Verbraucher bedeutet das, dass sie unter anderem auch für ihre Lebensmittel rund 0,5 % mehr bezahlen müssen. Die Inflationsrate ist damit so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Überraschend kommt das nicht, denn schon im September stiegen die Preise um 0,4 % an. Die höhere Inflationsrate wird vor allem mit den gestiegenen Preisen für Energie begründet, obwohl die Preise im Jahresvergleich weiter zurückgehen. Leider fällt dieser Rückgang aber zu moderat aus und das hat zur Folge, dass besonders die Dienstleistungen um 1,1 % teurer geworden sind. Die Preise für Lebensmittel sind kaum gestiegen und auch bei den Industriegütern ist es nicht dramatisch.

Was will die EZB erreichen?

Mario Draghi hat alles getan, um die Sparer in der Eurozone zu enteignen, aber zufrieden ist der Chef der EZB noch lange nicht. So ist Draghi noch immer nicht mit der Entwicklung der Kerninflation einverstanden. Da die Preise nur sehr langsam steigen, strebt die EZB nach wie vor eine sehr lockere Geldpolitik an und dieses Vorgeben stößt bei den Ökonomen wie Hans-Werner Sinn auf massive Kritik. Sinken die Preise oder bleiben sie für einen längeren Zeitraum auf einem eher niedrigen Niveau, dann sieht die EZB das als ein großes Risiko für die Konjunktur in der Eurozone. In der Folge könnten die Unternehmen, aber vor allen Dingen die Verbraucher auf die Idee kommen, geplante Anschaffungen oder Investitionen auf die lange Bank zu schieben, da sie hoffen, dass es noch günstiger wird. Ob es tatsächlich so sein wird, das weiß natürlich keiner, auch nicht Mario Draghi. Die EZB geht jedoch von diesem Szenario aus und bangt wie immer um eine sinkende Konjunktur. Ob die Sparer dabei die Leidtragenden sind, das hat und wird die EZB nicht sonderlich interessieren. Eine Enteignung und eine fehlende Altersvorsorge werden dabei einfach ausgeblendet.

Bild: © Depositphotos.com / Syda_Productions


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Über den Autor Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.