Geschlossene Immobilienfonds – es darf wieder gezockt werden

Veröffentlicht: 23. November 2016 | 20:28 Uhr
Geschlossene Immobilienfonds – es darf wieder gezockt werden

Um kaum eine andere Geldanlage gab es so viele Skandale wie um geschlossene Immobilienfonds. Einst waren sie ein Tummelplatz für Betrüger aller Art, aber dann griff die Politik ein und wollte das Ganze beenden. Aber was ist aus dem Versprechen geworden? Wurde den Betrügern, die vielen Anlegern Millionen aus der Tasche gezogen haben, tatsächlich das Handwerk gelegt? Allein die Bosse der S&K-Gruppe haben über 11.000 Anleger um sagenhafte 240 Millionen Euro betrogen, und das ist nur ein Beispiel für die Machenschaften rund um die geschlossenen Fonds.

Keine Regulierung für geschlossene Immobilienfonds

Sehr lange Zeit unterlagen geschlossene Immobilienfonds keinerlei Regulierung und das machte den Markt sehr attraktiv für Glücksritter und Kriminelle. So war es unter anderem möglich, dass ein Fonds in die Pleite ging, obwohl 99 % der Immobilien zu sehr guten Preisen vermietet wurden. Oftmals waren es komplexe Geflechte von allen möglichen Firmen, die nur von einer einzigen Person kontrolliert wurden. Auf diese Weise war es möglich, das Geld der Anleger nach Belieben hin- und herzuschieben, um so vor allem die kleinen Anleger regelrecht auszuplündern.

Wie die Politik reagiert hat

Als die Skandale immer größere Dimensionen annahmen, sah sich die Politik gezwungen, endlich aktiv zu werden. Einer der Schritte, die unternommen wurden, war, dass die Vermittler für geschlossene Immobilienfonds, die keine betriebswirtschaftliche Ausbildung haben, jetzt eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen müssen. Die Vermittler müssen heute zudem eine Berufshaftpflichtversicherung haben und alle, die geschlossene Immobilienfonds ab einer Summe von 100 Millionen Euro auflegen wollen, benötigen nach dem neuen Gesetz zur Kapitalanlage eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin genannt. Als sogenannte Verwahrstelle müssen alle Anbieter für geschlossene Immobilienfonds eine Bank oder einen Treuhänder engagieren, der alle geschäftlichen Vorgänge prüft, damit verhindert wird, dass das Geld der Anleger in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet.

Der Markt wurde lahmgelegt

Die neuen Regeln sollten das Geschäft mit den geschlossenen Fonds sicherer machen, aber sie haben den kompletten Markt erst einmal lahmgelegt. Heute sind wieder fast 10.000 Vermittler für geschlossene Immobilienfonds bei der DIHK gemeldet, bevor es die neuen Gesetze gab, waren es 75.000. Neue geschlossene Immobilienfonds werden kaum noch eröffnet, aber es zeigt sich, dass es langsam wieder losgeht. Vor zwei Jahren meldete die BaFin 15 neue geschlossene Fonds an, ein Jahr später waren es bereits 20. Allerdings hatten 19 der 20 Fonds ein Volumen von weniger als 100 Millionen Euro, denn erst ab dieser Summe greifen die Gesetze. Fast scheint es so, als würde man sehr bewusst diese magische Grenze vermeiden.

Die Anbieter haben freie Hand

Finanzexperten machen die sogenannten Blindpool-Konstruktionen, die fast die Hälfte der 2015 aufgelegten Fonds ausmachen, immer noch Sorgen. Bei diesen Fonds wissen die Anleger überhaupt nicht, in was sie genau ihr Geld investieren, der Anbieter hat vollkommen freie Hand. Im Grunde ist es der Fondslobby gelungen, die Gesetze weich zu spülen, das zeigt sich auch an den Verwahrstellen. Eigentlich sollten die Banken diese Aufgabe übernehmen, aber da auch Treuhänder wie zum Beispiel Anwälte oder Steuerberater als Verwahrstelle aktiv werden können, werden sie sehr gerne genommen. Die Steuerberater und auch die Anwälte machen, was die Anbieter wollen, denn sie verdienen bei diesem Geschäft nicht schlecht, und daher gibt es nach wie vor dubiose Fonds.

Viele Banken zeigen sich auffallend besorgt, wenn es um geschlossene Fonds geht, sie raten ihren Kunden ab und verweisen auf das extrem hohe Risiko. Andere Geldinstitute wie beispielsweise die Sparkassen sind nicht so zurückhaltend, sie sehen in den Fonds keine allzu große Gefahr. Wer sich an einen Finanzberater wendet, der hat die große Auswahl an Fonds, und dort wird immer wieder gerne betont, wie sicher diese Fonds sind und dass ein Risiko nur theoretisch besteht.

Bild: © Depositphotos.com / photography33

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Ulrike Dietz

Über den Autor Ulrike Dietz

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