Washington (dts Nachrichtenagentur) – John Bolton, Ex-Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, hat den geplanten Abzug von US-Soldaten aus Deutschland scharf kritisiert. "Es fehlt die strategische Begründung dahinter", sagte Bolton dem "Handelsblatt". Ein Abzug koste Geld und Zeit, und man müsse sich fragen, warum man die Truppen irgendwo anders hinschicke, wenn sie eigentlich vor Ort vollkommen glücklich und zufrieden seien.

Die Entscheidung sende "genau das falsche Signal nach Moskau", sagte Bolton weiter. Der Republikaner war bis September 2019 Chef des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus. Sollte Trump eine zweite Amtszeit antreten können, hält Bolton einen Rückzug der USA aus der NATO nicht für ausgeschlossen. Bislang hätten die Republikaner Trump davon abhalten können. "Aber falls er die Wiederwahl gewinnt, dann könnten diese Schranken wegfallen. Wer weiß, was er in einer zweiten Amtszeit alles tun würde?" Europa solle im Fall einer Wiederwahl verstärkt mit dem US-Kongress zusammenarbeiten, riet Bolton. "Sollte es zu einem Rückzug aus der NATO kommen oder zu einem weiteren deutlichen Truppenabzug aus Europa, könnte es sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern zu starkem Widerstand kommen. Sich darauf zu verlassen, dass im Weißen Haus gesunder Menschenverstand vorherrscht, wäre nicht die beste Strategie." In Trumps Herausforderer Joe Biden sieht Bolton keine gute Option für Amerika. Auf die Frage, ob der Demokrat der bessere Präsident sei, sagte er: "Ich werde am Tag nach der Wahl sehr unglücklich sein, egal wer gewinnt – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Ich habe auch keine Ahnung, wie Bidens Politik etwa gegenüber China aussehen wird. Er sitzt im Keller seines Hauses und kommt da nicht sehr häufig raus. Wenn er gewinnt und nicht genau weiß, was er tun soll, dann ersetzen wir nur ein Problem durch ein neues." Aktuell liegt Donald Trump in Umfragen hinter Biden. Trotzdem hält Bolton das Rennen nicht für entschieden. "Man sollte nie die Fähigkeit der demokratischen Partei unterschätzen, eine Wahl in den Sand zu setzen. Es sind noch knapp 100 Tage bis zur Wahl. In der amerikanischen Politik ist das eine Ewigkeit."