Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Angesichts der Umsatzeinbußen des Einzelhandels in der Coronakrise haben sich führende CDU-Politiker für eine Lockerung der Öffnungszeiten ausgesprochen. "Um mit einem 24/7-Online-Shop mithalten zu können, werden auch flexiblere Ladenöffnungszeiten immer wichtiger", sagte Thomas Bareiß dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Der Sonntag genieße in Deutschland zwar zu Recht eine "besondere Schutzfunktion", gleichwohl "könnten nach der Pandemie vermehrte Sonntagsöffnungen dem Einzelhandel das dringend notwendige Umsatzplus bescheren", so der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung.

Wichtig sei dabei aber, den mittelständischen Einzelhandel mit seiner besonderen Struktur eng einzubinden. "Der Mittelständler mit kleinem Personalstamm tut sich oft etwas schwerer mit weiteren Öffnungszeiten", sagte Bareiß. "Deshalb muss man Flexibilität und Öffnungen für diese Unternehmen sicher ganzheitlich denken." Auch der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten (CDU), plädierte für flexiblere Einkaufszeiten. "Wir müssen uns dringend über eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten unterhalten", sagte der Bundestagsabgeordnete der Zeitung. "Wenn Einzelhändler dem Onlinehandel Paroli bieten und ihre Öffnungszeiten ausdehnen wollen, muss die Politik dies zulassen." Der Grünen-Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek wies darauf hin, dass längere Öffnungszeiten für den stationären Einzelhandel wie in Berlin nicht zu einer Rückverlagerung vom Online- auf den stationären Einkauf geführt habe. "Deshalb warne ich davor, in einer Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ein Allheilmittel zu sehen", sagte Janecek dem "Handelsblatt". Gleichwohl wäre mehr Flexibilität zu besonderen Anlässen wie aktuell zur Fußball-EM "sicher hilfreich", indem man verkaufsoffene Sonn- oder Feiertage temporär zulasse.