Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier sieht Ost- und Westdeutschland 30 Jahre nach der Einheit gut zusammengewachsen. "Ich würde schon sagen, dass wir ein Volk geworden sind, dass wir zusammengewachsen sind", sagte Klier dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Freitagsausgaben). "Es gab und gibt immer mal wieder Rückschläge, je nachdem, wie die wirtschaftliche und politische Situation gerade ist. Trotzdem sind sich viele ähnlich geworden. Bayern und der Norden sind viel unterschiedlicher als Ost und West, würde ich sagen."

Besonders die Prägung der Ostdeutschen habe sich geändert. "Die Menschen in der DDR wurden gedrillt, das ist verschwunden. Es wurde sehr viel gebrüllt und geschlagen in der DDR. Das mag es im Westen auch gegeben haben, aber im Osten kam die Diktatur dazu. Diese Prägung, die ich so furchtbar fand in der DDR, die gibt es nicht mehr. Das ist jetzt alles weg, Gott sei Dank." Die Leute seien ihrer Meinung nach außerdem ruhiger und freundlicher geworden. Klier wurde 1988 in die Bundesrepublik abgeschoben. Nach der Wiedervereinigung 1990 wäre sie fast Politikerin geworden. "Ich fand, wir brauchen nach der staatlichen Vereinigung ein Begegnungsprogramm. Mit der Idee bin ich erst zu CDU und FDP gegangen. Die antworteten mir: Wir müssen jetzt zunächst die Wirtschaft voranbringen." Die hessischen Grünen hätten sich aber interessiert gezeigt und wollten Klier für den Bundestag aufstellen. "Ich habe zugestimmt unter der Bedingung, dass ich mich um das Programm kümmere und nach vier Jahren wieder aufhöre." Die Grünen aber scheiterten knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. "Ich bin dann noch zweimal von der CDU gefragt worden, habe aber für die Politik endgültig abgesagt."