Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Aus Sicht von Forsa-Chef Manfred Güllner hat die FDP große Teile ihrer Stammwählerschaft verprellt. Die Partei repräsentiere heute "nicht mehr den Mittelständler, den Handwerker oder den leitenden Angestellten – sie hat ihr klares Profil verloren", sagte Güllner der "Neuen Westfälischen". Dabei bescheinigte Güllner FDP-Chef Christian Lindner grundsätzlich große Verdienste.

"In Nordrhein-Westfalen hat er der FDP wieder zur alten Stärke verholfen und so auch den Wiedereinzug in den Bundestag möglich gemacht." Doch seit 2017 habe die FDP unter Lindner "den Kompass verloren". Dass er sich nach der Bundestagswahl nicht an der Bundesregierung beteiligt habe, "nehmen ihm gerade die Stammwähler der FDP übel". Die Enttäuschung über diese Entscheidung aber "scheint Lindner nicht in der erforderlichen Weise ernst zu nehmen". Zudem muss die Lindner-FDP laut dem Gründer des Forsa-Instituts aufpassen, dass sie sich in der Coronakrise nicht in schrägen Tönen verliert. Es sei "richtig und geboten, die Maßnahmen der Bundesregierung zu hinterfragen", sagte Güllner. "Doch die Kritik darf nicht zu schrill werden oder ins Fahrwasser der Querdenker oder der AfD geraten."