Kindergärten – die neuen Lieblinge der Investoren

Veröffentlicht: 30. Dezember 2018 | 14:02 Uhr
Kindergärten – die neuen Lieblinge der Investoren

Deutschland ist ein Paradies für Investoren aus aller Welt, sie investieren in Versicherungen und in Versorgungsbetriebe wie städtische Wasserwerke. Sie lieben es, in Immobilien zu investieren, was die Mieten in unendliche Höhen treibt und für immer mehr Menschen das Leben in den Ballungsräumen unerschwinglich macht. Da der Immobilienboom langsam aber sicher abflaut, suchen die vielen Investoren verzweifelt nach neuen Objekten. Jetzt haben sie etwas Neues gefunden: Kindergärten, sie sind die neuen lukrativen Finanzobjekte, die hohe Renditen versprechen. Die klammen Kommunen freuen sich übrigens sehr über die Investoren, denn sie machen den Bau von Kindergärten erst möglich.

Zahnärzte bauen Kindergärten

Selbst wenn es vielleicht komisch klingt, aber im übertragenen Sinne bauen Zahnärzte Kindergärten. Eine Immobilienverwaltung aus dem Rheinland hat jetzt für das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Nordrhein einen Spezialfonds aufgelegt, der in Kindergärten und Kindertagesstätten überall im Rheinland investiert. Das Anlagevolumen liegt bei rund 55 Millionen Euro und bietet eine hohe Sicherheit für das Investment. Die Mietverträge der Kindergärten und Kitas haben eine Laufzeit zwischen 20 und 30 Jahren. Sie sind durch eine gesetzlich verankerte kommunale Versorgungsverpflichtung abgesichert und das macht sie erst interessant. Dentisten, die ihr Geld also gewinnbringend anlegen wollen, investieren in einen Kindergarten und kommen der Gemeinde, die finanziell am Ende ist, sehr entgegen. Kindergärten sind in Deutschland gefragt, denn schließlich hat jedes Kind einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Das ist jedoch durch die Armut von vielen Kommunen nicht möglich, da das Geld für einen Neubau fehlt.

Auch Fabrikhallen sind gefragt

In Amerika haben viele Unternehmen bereits vor mehr als zehn Jahren damit begonnen, ihre Produktionsstätten an diverse Investoren zu verkaufen, um sie dann von diesen Investoren wieder anzumieten. Auch das klingt komisch, ist aber ein sicheres Geschäft. In den USA nennt sich das Sale und Lease und jetzt gehen auch viele Firmen in Deutschland diesen Weg. Für die Unternehmen ist das ein lukratives Geschäft. Kurzfristig generieren sie so das nötige Kapital für Investments in ihrem Kerngeschäft. Zum anderen gewinnen sie über langfristige Mietverträge die Sicherheit, um Kosten, die in Zukunft auf sie zukommen, besser kalkulieren zu können. Die Investoren, zu denen unter anderem viele Versicherungen und Pensionskassen gehören, freuen sich über die hohen Renditen. Bis zu fünf Prozent und mehr sind bei diesen Investments drin.

Wohnungen bleiben interessant

Auch wenn der Boom um Mietwohnungen bei den Investoren langsam zurückgeht, einige spezifische Wohnungen bleiben nach wie vor interessant. Dabei handelt es sich bevorzugt um Studentenwohnungen und sogenannte Mikrowohnungen, die nur wenige Quadratmeter messen. Auf diesem Sektor liegt die Rendite ebenfalls bei mehr als fünf Prozent und die Investments sind eine sichere Bank. Studenten brauchen schließlich auch in Zukunft Wohnungen. Die Renditen für Büros, die lange Zeit mal im Trend waren, sind mit weniger als drei Prozent in den Keller gerutscht. Bei den Mietwohnungen sieht es aktuell nicht viel besser aus. Die Investoren, die händeringend nach neuen Produkten suchen, finden sie jetzt in Fabrikhallen sowie in Kindergärten oder Kindertagesstätten. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend entwickelt und wie die Auswirkungen sind. Was Investoren anrichten können, das ist bei den stetig steigenden Mieten in den großen Städten deutlich sichtbar. Bild: @ depositphotos.com / MicEnin