Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Juso-Chef Kevin Kühnert und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erheben einen gemeinsamen Führungsanspruch in ihrer Partei: "Wir wollen die Politik der nächsten 15 Jahre in der SPD mitbestimmen", sagte Klingbeil der Wochenzeitung "Die Zeit". Die beiden Sozialdemokraten verbinden das Anliegen mit einem Stilwechsel: "Führung erfolgt doch heute nicht mehr durch Druck, Herumbrüllen und Runtermachen", sagte Kühnert. "Wir verstehen Politik nicht als ein Machtspiel, das permanent Gewinner und Verlierer produzieren muss", so Klingbeil.

"Dieses breitbeinige Verständnis von Politik haben wir hinter uns gelassen." Vor allem die Jüngeren in der Politik, weit über die SPD hinaus, hätten "keinen Bock mehr auf dieses potente Getue", so der Generalsekretär. "Auf andere andauernd draufzutreten ist ein völlig antiquiertes Politikmodell, letztes Jahrhundert." Kühnert wie Klingbeil heben die Bedeutung von Vertrauen in der Politik hervor. "Wenn man gut Politik machen will, dann muss man meiner Ansicht nach in der Lage sein, zumindest einigen wenigen Menschen wirklich zu vertrauen", sagte der Juso-Chef. "Müsste ich in allen Leuten um mich herum nur potenzielle Gegner und Verräter sehen, wäre das selbstzerstörerisch. Dann würde ich kaputtgehen." Auf die Frage, ob sie Freunde seien, sagte Klingbeil: "Freundschaft ist ein Begriff, der in der Politik oft missbraucht wird." Er treffe oft Politiker, die ganz viele Freunde hätten. "Und beim ersten Test zerbricht alles." Daher gehe er mit dem Begriff zurückhaltend um: "Aber, ja, für mich ist Kevin ein Freund." Kühnert sagte dazu: "Freundschaft muss nichts ausmachen, sie ist einfach. Lars ist für mich jetzt ja kein Premiumfreund, den ich mir als schmückendes Beiwerk zum Geburtstag einlade, damit die anderen sagen: Ach, schau mal, der SPD-Generalsekretär ist auch da." Der andere politische Stil sowie eine stärkere Ausrichtung am Gemeinwohl soll die SPD für all jene attraktiv machen, die sich von der vorherrschenden Ideologie der vergangenen Jahre abwenden wollen. "Wir können ein Bündnis von Fridays for Future über die Pflegekraft, den Industriearbeiter bis hin zu Unternehmern spannen", so Klingbeil. "Unsere Botschaft für sie lautet: Die Zeit des Ellbogendenkens ist vorbei."