Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Kevin Kühnert, Vizechef der SPD und Bundesvorsitzender der Jusos, will nach eigenen Aussagen im Bundestagswahlkampf darum kämpfen, das Vertrauen junger Wähler wiederzugewinnen. "Ich weiß auch genau, wo wir bei jungen Menschen Vertrauen verspielt haben: beispielsweise mit der Debatte um Artikel 13, um die EU-Urheberrechtsreform. Und auch damit, dass viele junge Menschen nach wie vor den Eindruck haben, dass wir das Thema Klimaschutz nicht ernst genug genommen haben – obwohl ich da widersprechen würde", sagte Kühnert dem Nachrichtenportal Watson.

Man wisse, wo man "nachschärfen" müsse. "Nicht die Wählerinnen und Wähler müssen besser werden, sondern wir." Zu den Gründen, weshalb der Zuspruch für die SPD bei jungen Menschen besonders niedrig ist, sagte Kühnert außerdem: "Wer heute Mitte oder Ende zwanzig ist, der guckt zurück auf 15 Jahre Angela Merkel und fast so lange große Koalition. Diese Generation hat die SPD immer nur als Juniorpartnerin von CDU und CSU erlebt – und assoziiert uns mit der Aufgabe, dass die Schweinereien der Union nicht ganz so große Schweinereien werden." Das werde zwar teilweise anerkannt, aber "dafür fliegen einem nicht die Herzen zu". Auf die Frage, wie die SPD glaubwürdiger als Anwalt der jungen Menschen auftreten wolle, sagte der Juso-Chef: "Der SPD geht es um die Grundlagen im Alltag: Wie selbstbestimmt kann man leben, wie sicher ist der Job oder die Ausbildungsperspektive? Das steht bei manchen jungen Menschen momentan höchstens gleichrangig neben anderen wichtigen Themen – aber wir werden uns bemühen, deutlich zu machen, warum das für uns entscheidende Fragen sind." Die Jusos forderten zum Beispiel eine Ausbildungsplatzgarantie für junge Menschen und die Abschaffung sachgrundlos befristeter Arbeitsverhältnisse. Der SPD-Vize kündigte außerdem eine "harte Abgrenzung zu CDU und CSU" und einen "Richtungswahlkampf" an. "Nächstes Jahr muss es heißen: die oder wir."