Brüssel (dts Nachrichtenagentur) – Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat die europäischen Staats- und Regierungschefs sowie die EU-Kommission eindringlich zur raschen Wiederaufnahme von Handelsgesprächen mit den USA aufgefordert. "Die EU muss dem neuen amerikanischen Präsidenten Joe Biden umgehend Verhandlungen über ein EU-US-Freihandelsabkommen anbieten", sagte der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Samstagausgaben). "Wir Europäer müssen Handelspolitik neu denken. Es geht schon lange nicht mehr nur um Wirtschaft, es geht um die politische Macht im angehenden Jahrhundert", mahnte Weber.

Der stellvertretende CSU-Parteivorsitzende verwies auf das in der vergangenen Woche zwischen China und 14 weiteren südostasiatischen Staaten ausgehandelte Freihandelsabkommen. Damit formiere sich "ein neuer starker Wirtschaftsraum", so Weber. "Dort findet viel Dynamik und Zukunft statt", sagte er und zeigte mögliche negative Folgen für Europa auf. "Es geht um die Frage, wer in den nächsten Jahrzehnten weltweit die Standards setzen wird. Es ist Realität, dass die Europäer dazu verdammt sein könnten, einmal chinesische Standards zu akzeptieren, wenn wir nicht rechtzeitig handeln", so Weber. Die EU und die USA repräsentierten heute zusammen noch knapp 45 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft. "Um die Standards für morgen, etwa für die digitale Welt und die Energiewende definieren zu können, müssen wir unsere Kräfte bündeln", so Weber. "Es braucht den Abbau von Handelsschranken, um in der EU und den USA langfristig Wachstum und neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Und es geht um die Verteidigung unserer Wertvorstellungen und des ,European Way of Life‘." Das heutige China sei das Gegenmodell dazu, sagte Weber.