Negativzinsen – das Ende der Sparkultur
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Negativzinsen – dieses Wort macht allen Angst, die ihr Geld anlegen und sparen wollen. Negativzinsen, das bedeutet im Grunde nichts anderes als: Wer sparen will, der muss in Zukunft Geld mitbringen. Aber es sind nicht nur die negativen Zinsen, die den Sparern und Anlegern Sorgen machen, auch die passenden Bestimmungen des Finanzamts sind unglaublich. Worauf müssen sich diejenigen einstellen, die ihr Geld anlegen wollen und lohnt es sich in der heutigen Zeit überhaupt noch, Geld auf die hohe Kante zu legen?

Negativzinsen – die zweifelhafte Zinspolitik der EZB

Donnerstag, der 10. März 2016 war ein denkwürdiger Tag für alle deutschen Sparer, denn an diesem Donnerstag hat der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, faktisch die Zinsen abgeschafft. Bei 0,00 % liegt jetzt der Zinssatz und das bedeutet Negativzinsen auch für alle privaten Kunden der Banken. Im Moment zieren sich die Banken noch, die Negativzinsen auch an die kleinen Sparer weiterzugeben, die deutschen Steuerbehörden sind hier jedoch schon ein ganzes Stück weiter gegangen. Die Steuerbehörden haben schon festgelegt, dass die Sparer gleich doppelt bestraft werden, denn sie müssen künftig nicht nur Geld auf ihr Konto einzahlen, wenn sie sparen wollen, sie können diese Verluste auch nicht beim Finanzamt geltend machen.

Negativzinsen---das-Ende-der-SparkulturViele Sparer fragen sich jetzt, was will die EZB eigentlich mit ihrer zweifelhaften Zinspolitik erreichen? Es ist im Grunde ganz einfach, die EZB will die Banken mit Negativzinsen dazu zwingen, mit ihrem Geld zu arbeiten und es nicht auf dem Konto der Europäischen Zentralbank zu parken. Bisher mussten die Geschäfts- und Unternehmensbanken einen Zinssatz von 0,3 % bezahlen, aber diese Zahl ist seit Donnerstag Geschichte, denn für das geparkte Geld möchte die EZB jetzt 0,4 % an Negativzinsen haben. Mit dieser erneuten Verschärfung der ohnehin schon angespannten Zinslage will Mario Draghi die Banken dazu bringen, ihr Geld nicht zu horten, sondern es für Kredite auszugeben, damit die lahmende Konjunktur in Europa endlich wieder ein wenig Fahrt aufnimmt.

Negativzinsen und die Schonfrist für die Kunden

Die bekannten Filial- und Direktbanken haben sich bis jetzt noch nicht dazu durchringen können, die Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben, vielleicht hatten sie aber auch zu viel Angst, dass ihnen die Kunden in Scharen davonlaufen. Die Milliarden, die auf den Fest- und Tagesgeldkonten liegen, sind ein Sinnbild für die deutsche Sparkultur und die Banken möchten nach Möglichkeit verhindern, dass die kleinen Sparer diese Milliarden einfach von den Konten holen und zu Hause unter die Matratze legen. Vor allem die großen Banken, wie zum Beispiel die Commerzbank, werden einfach nicht müde immer wieder zu verkünden, dass sie die Negativzinsen nicht an ihre privaten Kunden weitergeben.

Diese Versprechungen, dass das Geschäft mit den Privatkunden nicht von den Negativzinsen betroffen ist, hält nach Ansicht von Finanzexperten nicht mehr lange, denn seit Donnerstag, dem 10. März 2016, gilt die Nulllinie und diese Linie ist so etwas wie eine magische Grenze. Aktuell gehen schon heute, bedingt durch Negativzinsen, die Kunden bei 71 Anbietern von Tagesgeld leer aus und das Preis-/Leistungsverhältnis liegt bei Null. Es wird aber nicht bei diesen 71 Anbietern bleiben, andere werden nachziehen und ihren Kunden nicht mehr als 0,00 % bieten können. Im Vergleich dazu, vor vier Monaten waren es nur 55 Banken, die keine Zinsen mehr bezahlt haben und 2014 waren es sogar nur ganze zehn Banken.

Negativzinsen – keine Gnade für Firmenkunden

Es ist wie gesagt, nur noch eine Frage der Zeit, wann die privaten Kunden der Banken Negativzinsen zahlen müssen, für die Konten der Unternehmen und Firmen haben die Banken ihre Zurückhaltung schon aufgegeben und fordern Negativzinsen. Es sind die kleinen Volksbanken, aber auch die Sparkassen, die Negativzinsen verlangen und die Unternehmen wagen nicht sich auszumalen, was alles noch passieren kann, wenn Mario Draghi so weiter macht wie bisher. Wie weit wird er noch gehen, der allmächtige Chef der EZB? In Bankenkreisen ist man sich sicher, dass die 0,4 % Negativzinsen noch nicht das Ende der Fahnenstange sind, auch 0,5 % Negativzinsen sind noch drin.

Negativzinsen---das-Ende-der-Sparkultur2Was die großen Unternehmen und auch die kleinen Sparer in diesem Tagen aber besonders ärgert, das sind nicht nur Negativzinsen, es ist auch das Verhalten der Steuerbehörden, denn die sind schon beim nächsten Schritt angekommen und haben für Fakten gesorgt. Die Banken können nach Ansicht der Steuerbehörden schon morgen damit beginnen, auch für den deutschen Sparer und Anleger Negativzinsen zu berechnen, bei den Finanzämtern weiß man damit umzugehen.

Die Negativzinsen und die Steuer

Wenn die Banken sich entschließen, die Negativzinsen an ihre privaten Kunden weiterzureichen, dann können die Kunden (und Steuerzahler) diese Strafzinsen nicht im Rahmen der Abgeltungssteuer als Verluste geltend machen. Diese Vereinbarung wurde vom Bundesfinanzministerium schon im Januar mit den Ländern besprochen. Die oberste Finanzbehörde und ihr Chef Wolfgang Schäuble haben sich etwas einfallen lassen, um den Negativzinsen im Bezug auf die Steuern einen netten Anstrich zu geben, und nennen die Negativzinsen, die ja eigentlich gar keine Zinsen sind, eine Art „Verwahr- und Einlagegebühr“. Diese Gebühren werden schon jedes Jahr bei den Einkünften aus Kapitalanlagen als Sparerpauschalbetrag in Höhe von 801,- Euro erfasst. Übersetzt heißt das aber, über diesen pauschalen Betrag hinaus können die Negativzinsen nicht von Zinserträgen aus irgendwelchen anderen Quellen abgezogen werden.

Nach Meinung des Verbands der deutschen Steuerberater ist diese Regelung geradezu grotesk, denn diejenigen, die sparen, sind am Ende die Leidtragenden der politisch motivierten Strafzinsen. Das, was die Steuerbehörden jetzt machen, ist das vollkommen falsche Signal. Unternehmen haben die Möglichkeit, die negativen Zinsen als Minuszinsen unter der Rubrik Betriebsausgaben abzusetzen, diese Möglichkeit haben die kleinen Sparer nicht, sie bleiben auf den Minuszinsen sitzen. An einem Beispiel lässt sich das Modell Strafzinsen sehr gut darstellen. Angenommen, die Banken würden die negativen Zinsen an die Sparer weitergeben und ein Sparer hätte 10.000 Euro auf seinem Tagesgeldkonto, dann müsste dieser Sparer im Jahr rund 50,- Euro als „Verwahr- und Einlagegebühr“ zahlen. Allerdings dürfte das bei den meisten zusammen mit anderen Werbungskosten immer noch innerhalb der 801,- Euro liegen.

Das letzte Wort über die negativen Zinsen und die Steuerbehörden ist aber noch nicht gesprochen, das Bundesverfassungsgericht soll jetzt für Klarheit sorgen. Die Richter sollen darüber entscheiden, ob die Strafzinsen bei der Steuererklärung geltend gemacht werden können.

Detaillierte Informationen zu dem Thema Negativzinsen erfahren Sie hier.

Beitragsbild: © Depositphotos.com / konstantynov
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