Gold ist ein Investment, das die Anleger spaltet. Einige haben schon seit Jahren Gold gekauft. Sie wissen, wie der Markt funktioniert, welche Anlagemöglichkeiten bestehen und mit welchem Risiko sie verbunden sind. Andere sind neu in diesem Geschäft. Sie haben noch keine Goldinvestments getätigt und ringen vielleicht noch mit der Frage, ob es überhaupt Sinn macht, physisches Gold zu kaufen.

Diese Frage kann mit Blick auf die beständig wachsenden Schuldenstände und die niedrigen und teilweise sogar negativen Zinsen nur mit einem klaren Ja beantwortet werden. Der Sinn des Goldes ist dabei der einer Versicherung. Es geht nicht darum, laufende Einnahmen wie Zinsen oder Dividenden zu erzielen. Diese gibt es bei den Edelmetallen gerade nicht.

Das Ziel ist vielmehr, wie bei einer Versicherung für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Keiner weiß, ob dieser Fall eintreten wird. Aber sollte unser Finanzsystem erneut in eine massive Krise geraten, ist das Gold nicht betroffen, denn es hat – anders als Aktien, Anleihen und Immobilien – keinen Forderungscharakter.

Es muss niemand mehr etwas tun oder eine Zahlung leisten, damit das Gold seinen Wert behält, denn diese Leistung wurde bereits in der Vergangenheit vollständig erbracht. Dadurch, dass das gelbe Metall in einer Goldmine gefördert, anschließend gereinigt und in einen Barren gegossen oder als Münze ausgestanzt worden ist, wurde diese Leistung bereits erfüllt und vom Anleger mit dem Kaufpreis bezahlt.

Vorteil: Kein Forderungsausfall

Das Gold hat und behält seinen Wert nun einfach dadurch, dass es da ist und nicht wieder verschwindet. Eine Forderung gegenüber einem Dritten gibt es nicht. Dieser wichtige Aspekt unterscheidet das Gold – aber auch die anderen Edelmetalle Silber, Platin und Palladium – von Anleihen, Aktien und Immobilien.

Bei Letzterem muss auch in Zukunft noch eine Leistung erbracht werden. Für die Anleihe ist ein Zins zu zahlen, das Unternehmen muss einen Gewinn erwirtschaften und aus diesem eine Dividende an seine Aktionäre ausschütten und die Immobilie benötigt einen Mieter, der konstant seine Miete bezahlt.

Werden diese Forderungen nicht erfüllt, verlieren alle drei Investments an Wert. Bei einer Anleihe, bei der der Kreditnehmer seine Zinsen nicht mehr bezahlen kann, geschieht das sehr schnell. Ihr Kurs fällt, sobald der Zahlungsausfall publik wird. Bei einer Immobilie spricht sich eher langsam herum, dass sich für diese kein Mieter finden will oder ein Mietnomade in ihr wohnt. Aber im einen wie im anderen Fall wird das Interesse anderer Anleger in dem Augenblick geringer, indem die Forderungen ausfallen.

Das ist beim Gold anders. Auch sein Wert schwankt. Aber das große Paradox des Goldes besteht genau darin, dass es eigentlich von niemandem benötigt wird, es aber trotzdem alle haben möchten. Industrielle Anwendungen gibt es nur wenige und auch Schmuck ist nicht zwingend nötig.

4.000 Jahre Kulturgeschichte der Menschheit sprechen für sich

Dennoch hat die Menschheit in den rund 4.000 Jahren ihrer Kulturgeschichte das Gold zu allen Zeiten gehortet und als wertvoll eingeschätzt. Es ist prinzipiell möglich, dass sich dies ab morgen ändern wird. Sehr wahrscheinlich ist eine solche Entwicklung vor dem Hintergrund der bisherigen Geschichte jedoch nicht.

Es ist diese persönliche Gewissheit, dass sich an dem menschlichen Drang zum Gold auch in Zukunft nichts Wesentliches ändern wird, welche die Anleger auch heute noch zum Gold greifen lässt. Die Goldkäufer erwarten, dass es für ihre Goldmünzen und Goldbarren auch in Zukunft eine Nachfrage gibt.

Der Preis wird dabei mit Sicherheit schwanken, aber die Gefahr, dass das früher erworbene Gold eines Tages nichts mehr wert sein könnte, besteht nicht. Aus diesem Grund macht es für Anleger auch heute Sinn, einen Teil des eigenen Geldvermögens in Gold anzulegen.

Gold ja, aber wie?

Niemand erwartet von einer Haftpflicht- oder Unfallversicherung eine „Rendite“. Mehr noch: Die meisten Menschen werden die jährlichen Kosten für ihre Versicherungen bezahlen und gleichzeitig darauf hoffen, dass der Schadensfall niemals eintritt, denn dieser ist beispielsweise bei einer Unfallversicherung oft mit einem bleibenden Schaden für die eigene Gesundheit verbunden.

Bei Gold ist es ähnlich: Es muss nicht steigen und seinen Wert vermehren, sondern einfach nur die Kaufkraft erhalten und im Extremfall als finanzielle Versicherung greifen. Damit das Gold diese Funktion für einen Anleger ausfüllen kann, muss es allerdings erstens physisch vorhanden sein und zweitens sich nicht nur im Eigentum, sondern auch im Besitz des Investors befinden.

Zertifikate bieten dem Goldanleger an dieser Stelle keinen Schutz, denn sie stellen nur eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten dar. Damit sind sie genauso mit einer Forderung behaftet wie eine Anleihe. Einen besonderen Schutz bietet das Gold in dieser Form nicht mehr.

Auch durch das schöne Wort „Garantie“ sollte sich ein Privatanleger an dieser Stelle nicht täuschen lassen, denn als im Zuge der Finanzkrise die US-Investmentbank Lehman Brothers Konkurs anmeldete, wurden auch ihre Garantiezertifikate wertlos. Gleiches galt für die auf Gold, Silber, Platin und Palladium ausgestellten Zertifikate.

Gold zur Absicherung sollte physisch erworben werden

Ein Anleger, der am Ende nicht ein wertloses Goldinvestment abschreiben will, kommt daher nicht um den Kauf von Goldbarren und Goldmünzen herum. Dieser Kauf erfordert einen gewissen persönlichen Aufwand. Das Gold muss gekauft, abgeholt und sicher gelagert werden.

Einige Anbieter, wie beispielsweise Xetra-Gold, werben damit, dass sie dem Anleger diese Mühe abnehmen. Ein großes Problem ist damit gelöst, ein viel größeres aber entstanden: Der Goldkäufer hat nun ein Kontrollproblem. Wie kann er kontrollieren, dass das Gold, das er gekauft hat, auch wirklich da ist?

Wie kann er sicherstellen, dass die in den Tresorräumen eingelagerten Barren nicht gleich mehreren Goldkäufern „zugeteilt“ wurden? Viele Goldbugs stehen den großen Lagerstellen deshalb reserviert gegenüber. Sie möchten ihr Geld nicht in eine Blackbox investieren und haben auch nicht vergessen, das große US-Investmentbanken ihren Kunden in der Vergangenheit Lagerkosten für Silber berechnet haben, das gar nicht physisch eingelagert worden war, sondern an den Futuremärkten als Papiersilber gekauft wurde.

Auch Schließfächer sind keine Lösung, denn sie können an Wochenenden oder im Falle eines Konkurses der Bank nicht betreten werden. Findet der Bankkonkurs, was nicht unwahrscheinlich ist, in einer großen Krise statt, in der der Goldanleger auf sein Gold zurückgreifen will, könnte das eigene Gold für den Käufer just in dem Moment unerreichbar sein, in dem er es gerne nutzen würde.

An dieser Stelle lauern viele Fallstricke auf die Goldkäufer. Umgehen kann man sie am besten, wenn das Gold nicht nur im eigenen Eigentum, sondern auch im eigenen Besitz ist. Goldanleger, die sich entsprechend aufstellen, haben zwar etwas mehr Aufwand und Mühe. Sie behalten allerdings im Gegenzug ihre Flexibilität und sind immer in der Lage, schnell zu reagieren.