Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Belastungen durch die Coronakrise steigen. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums und des Forschungsinstituts IZA über die die "Welt am Sonntag" berichtet. Demzufolge fühlen sich fast 70 Prozent der Erwachsenen emotional belastet, weil sie sich um die Gesundheit von Angehörigen sorgen.

55 Prozent leiden unter der Unsicherheit, wie es in den nächsten Monaten weitergeht. Auch die Einschränkungen des Handlungsspielraums, der Verlust sozialer Kontakte und Sorgen um die eigene Gesundheit belasten einen großen Teil der Bevölkerung. 15 Prozent nennen finanzielle Schwierigkeiten als Bürde. Die fehlende Trennung von Arbeit und Privatleben im Homeoffice belastet etwa jeden Zehnten. Grundsätzlich gilt, dass Frauen stärker unter der Krise leiden als Männer. Die Forsa-Umfrage wurde Ende September und Anfang Oktober durchgeführt, als der zweite Lockdown noch nicht in Kraft war. Befragt wurden mehr als 1.000 Menschen über 18 Jahre. Wie stark die Rolle von Depressionen und Ängsten wächst, zeigt eine Auswertung der AOK unter ihren 26,5 Millionen Versicherten, über die die "Welt am Sonntag" berichtet: So waren psychische Leiden in den ersten neun Monaten diesen Jahres für 16,4 Prozent der Krankheitstage verantwortlich. Im Vorjahr waren es noch 15,8 Prozent. Auch andere Krankenkassen verzeichnen starke Zuwächse des Anteils der Depressionen und Angstzustände bei insgesamt fallenden Krankheitsständen während der Coronakrise. "In der Coronakrise sorgen sich die meisten Menschen mehr als zuvor um die Gesundheit ihrer Familie und Freunde", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der "Welt am Sonntag". Hinzu kämen Ängste um ihren Job und ihre finanzielle Lage. Heil will rechtzeitig gegenzusteuern. Er hat gemeinsam mit den Familien- und Gesundheitsministerien und Akteuren aus dem Präventionsbereich die "Offensive Psychische Gesundheit" initiiert. Diese soll auf das Problem aufmerksam machen und Menschen ermutigen, mit anderen über psychische Belastungen zu sprechen. "Das war für uns schon vor Corona ein wichtiges Anliegen. Aber die Pandemie hat das Thema noch mal stärker in den Fokus gerückt, vor allem jetzt im neuen Lockdown", sagte Heil der Zeitung.