Einen Teil der eigenen Ersparnisse in physischer Form in den Edelmetallen Gold und Silber anzulegen, ist vor dem Hintergrund der unübersehbaren Probleme unseres Fiat Money-Systems keine schlechte Lösung. Eine gute Idee kann aber dennoch nicht zum Ziel führen, wenn sie schlecht umgesetzt wird.

Gerade Anfänger, die noch keine oder nur wenig Erfahrung beim Edelmetallkauf gesammelt haben, können beim Silberkauf leicht in die eine oder andere Falle tappen. Silber zu kaufen, ist zwar nicht unbedingt ein Buch mit sieben Siegeln, aber kinderleicht und ganz frei voll Fallstricken ist der Kauf auch nicht.

Wer allerdings die im Folgenden beschriebenen fünf gravierendsten Fehler vermeidet, wird schnell zu einem Profi beim Silberkauf und bekommt vor allem beim Kauf deutlich mehr Silber für sein Geld als Anleger, die immer wieder die typischen Fehler beim Einkauf von Silber machen.

An dieser Stelle wird vorausgesetzt, dass Anleger den gröbsten Fehler, Silber nicht beim Edelmetallfachhandel sondern „irgendwo“ auf E-Bay oder Flohmärkten zu erwerben, nicht erst macht. Wer Sicherheit beim Edelmetallkauf will, der sollte beim Edelmetallfachhandel oder bei Banken kaufen.

Eine Kauforder kann dabei durchaus über das Internet aufgegeben werden. Ein persönliches Erscheinen im Geschäft ist somit nicht zwingend nötig. Doch egal, ob an der Theke im Laden bezahlt oder der Bestellvorgang über das Internet abgewickelt wird: der Vertragspartner des Anlegers sollte immer ein zertifizierter Händler sein.

1. Fehler: Silberbarren kaufen

Anders als beim Gold, wo die gängigen Münzen und Barren mehrwertsteuerfrei verkauft werden können, werden Silbermünzen und -barren in Deutschland mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent belastet. Die Mehrwertsteuer ist beim Kauf vom Kunden zu bezahlen und für den Anleger in jedem Fall ein Verlust.

Auch bei einem späteren Verkauf wird der Anleger von der gezahlten Mehrwertsteuer keinen einzigen Cent wiedersehen. Mehr noch: Weil es für die Händler in Deutschland unattraktiver ist, Silberbarren anstatt Silbermünzen und Münzbarren anzukaufen, werden für ein Kilogramm Silber in Barrenform geringere Preise gezahlt, als für einen Münzbarren oder die gleiche Menge Silber in Form von Silbermünzen.

Die Mehrwertsteuer stellt damit eine Gebühr und einen Renditekiller dar, den es nach Möglichkeit zu umgehen gilt. Dies ist auch legal möglich, denn der Gesetzgeber bietet den Händlern die Möglichkeit, Silber differenzbesteuert zu verkaufen. Durch die Differenzbesteuerung spart ein Anleger beim Kauf bis zu 12  Prozent Steuer und erhält damit wesentlich mehr Silber für sein Geld, als beim Kauf von klassischen Silberbarren, die dem vollen Mehrwertsteuersatz unterliegen.

Tipp: Ein Anleger sollte mit Blick auf die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf den Erwerb von klassischen Silberbarren verzichten und stattdessen Münzbarren kaufen. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie klassische Silberbarren. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass sie ein Hoheitszeichen tragen und mit einer Wertangabe versehen sind, denn in anderen Staaten (Andorra, Cook-Island oder den Fiji-Inseln) sind diese Münzbarren Geld.

Ein Anleger könnte mit diesem Geld in den betreffende Staaten seine Einkäufe bezahlen. Das macht allerdings niemand, weil der Silberwert deutlich höher ist als der Nominalwert des Münzbarrens. Für den deutschen Staat zählt der Münzbarren jedoch zu den Münzen und wird bei der Einfuhr deshalb nur mit dem reduzierten Steuersatz von 7 Prozent belastet.

2. Fehler: Münzen nicht differenzbesteuert kaufen

Wenn ein Händler Neuware aus einem Nicht-EU-Land wie beispielsweise der Schweiz, Kanada oder Australien ankauft oder gebrauchte Silberbarren von einer Privatperson erwirbt, hat er die Möglichkeit, von der sogenannten Differenzbesteuerung Gebrauch zu machen.

Er muss die Silbermünzen und Silberbarren in diesem Fall nicht mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent verkaufen, sondern versteuert allein seine Marge mit dem vollen Steuersatz oder bei importierter Ware aus dem Nicht-EU-Ausland den Zollwert mit dem reduzierten Steuersatz von 7 Prozent.

Das alles geschieht im Hintergrund und wird für den Anleger, der Silber kaufen will, nur an einem Wort sichtbar: Die Ware wird als „differenzbesteuert“ ausgezeichnet. Damit ist für den Kunden sichtbar, dass er die für ihn steuerlich günstigere Variante gewählt hat und für seine investierten Euros ein höheres Silbergewicht erhält.

Ein Händler hat die Möglichkeit, seine Ware differenzbesteuert zu verkaufen. Eine Verpflichtung zur Anwendung der Differenzbesteuerung besteht jedoch nicht. Da der buchhalterische Aufwand höher ist, bietet nicht jeder Händler die Möglichkeit, Silber steuerbegünstigt zu kaufen, an. Das führt dazu, dass die gleiche Münze von einigen Händlern differenzbesteuert und von anderen normal besteuert angeboten wird. Der Unterschied ist im einen Fall ein niedrigerer und im anderen Fall ein deutlich höherer Preis.

Der starke Wettbewerb unter den Händlern hat zwar dazu geführt, dass viele Edelmetallhändler sich inzwischen der Differenzbesteuerung bedienen. Ausnahmen bestätigen aber immer noch die Regel. Deshalb sollte sich ein Anleger sowohl beim Kauf im Laden wie auch beim Silbererwerb im Internet versichern, dass er nur differenzbesteuertes Silber erwirbt.

Tipp: Ein Anleger sollte auch beim Münzkauf nicht blind davon ausgehen, dass er differenzbesteuerte Münzen kauft, sondern immer prüfen, ob diese steuerliche Wahlmöglichkeit des Händlers bei der präferierten Münze gegeben ist.

Bei einer einzelnen Münze mag der Unterschied noch gering sein. Soll für größere Summen Silber erworben werden, wird schnell deutlich, dass die alte Volksweisheit „Kleinvieh macht auch Mist“ auch hier greift. Bei einem Silberkauf im Wert von 10.000 Euro kann der an der Mehrwertsteuer gesparte Betrag – je nach Tageskurs – dem Gegenwert von bis zu 50 Unzen entsprechen.

3. Fehler: Tafelbarren kaufen

Tafelbarren sind dünne Barren mit vorab eingestanzten Sollbruchstellen. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, wie bei einer Tafel Schokolade, kleinere Stücke abzubrechen und diese zum Beispiel bei einem Einkauf als Zahlungsmittel zu verwenden. So lässt sich ein 100-Gramm-Barren leicht in 100 einzelne jeweils 1 Gramm schwere Stücke aufbrechen.

Der angedachte Einsatzzweck dieser Barren macht deutlich, dass Tafelbarren vorwiegend von jenen Anlegern gekauft werden, die mit der Möglichkeit einer neuen Finanzkrise rechnen. Einer Krise, die mit einem massiven Vertrauensverlust in die bestehenden Währungen einhergeht, bei der am Ende niemand mehr das Papiergeld mehr annehmen möchte und Händler nur noch „echte Werte“ wie Gold und Silber akzeptieren.

Tafelbarren sind jedoch in der Herstellung deutlich teurer. Daher werden sie im Edelmetallhandel immer mit einem deutlichen Aufpreis zu gleich schweren und nicht brechbaren Gold- oder Silberbarren angeboten.

Beim Silber ist dieser Preisunterschied, bedingt durch den insgesamt niedrigeren Preis, deutlich ausgeprägter, als beim Gold. Die höheren Herstellungskosten für Tafelbarren fallen hier besonders stark ins Gewicht.

Tipp: Wer unbedingt für seine Einkäufe in Hyperinflationszeiten physisches Silber in sehr kleinen Stückelungen zur Hand haben möchte, ist mit der Viertelunze Ausführung der armenischen Arche Noah-Münze besser aufgestellt. Gegenüber einem Silber-Tafelbarren ergibt sich ein Preisvorteil von rund 25 Prozent.

4. Fehler: Nicht in Tubes und Boxen kaufen

Die am häufigsten verkauften Größen sind im Münzenbereich die 1-Unzen-Münze und im Barrenbereich der 1-Kilogrammbarren. Daneben existieren zwar Zwischengrößen, doch diese sind aufgrund der in der Regel höheren Prägekosten nicht zu empfehlen. Ein Anleger, der diese Münzen erwirbt, muss damit rechnen, beim Verkauf einen geringeren Durchschnittspreis für das enthaltene Silber zu erzielen.

Wichtig ist beim Verkauf auch der Erhaltungszustand der Münzen. Damit es hier nicht zu Problemen und deutlich geringeren Verkaufserlösen kommt, müssen vor allem die Münzen gut verpackt und trocken gelagert werden. Kontakt zu feuchter Luft führt dazu, dass die Silberunze anläuft und nach einiger Zeit milchige Flecken aufweist. Auch Kratzer auf der Oberfläche sollten unbedingt vermieden werden, da sie im Verkauf zu Wertminderungen führen.

Die großen Hersteller wie die Münze Österreich, die Royal Canadian Mint oder die Perth Mint sind deshalb in den letzten Jahren dazu übergegangen, ihre Münzen in stabilen Plastikröhrchen, den sogenannten Tubes, zu verkaufen. Mehrere Tubes werden in Boxen gestapelt und verkauft. Dies ist nicht nur eine platzsparende Möglichkeit, die Münzen zu lagern, sondern schützt die Münzen auch vor Kratzer und Feuchtigkeit.

Tipp: Anleger sollten Silbermünzen deshalb nach Möglichkeit in Tubes und Boxen kaufen. Das Siegel der einzelnen Tubes sollte auf keinen Fall gebrochen werden.

5. Fehler: Colorierte Münzen und Sondereditionen kaufen

Der letzte Fehler, den es aus Anlegersicht zu vermeiden gilt, betrifft colorierte Münzen und Sondereditionen. Sie sind durch ihre Farbigkeit natürlich immer ein Blickfang. Doch beim Kauf von Silbermünzen und -barren zur Krisenvorsorge geht es weniger um die Optik, sondern vielmehr um den Werterhalt. Allein dieser steht im Vordergrund.

Dazu ist es wichtig, dass ein Anleger beim Kauf der Münzen für sein Geld so viel Silber wie nur möglich erhält. Es macht auch wenig Sinn, beim Kauf bei der Mehrwertsteuer zu sparen und das eingesparte Geld durch den Kauf von relativ teuren farbigen Münzen und Sondereditionen direkt wieder zu verlieren.

Es spricht nichts dagegen, hin und wieder mal eine colorierte Silbermünze zu erwerben, weil sie als Geburtstags-  oder Weihnachtsgeschenk im Familien- oder Freundeskreis eingesetzt werden soll. Diese Fälle sollten aber die Ausnahme bleiben und nicht die Regel werden.

Ein Investor, der Silber als eine Anlageklasse betrachtet, sollte vom Kauf von Sondereditionen und colorierten Silbermünzen Abstand nehmen. Diese Münzen sind meist deutlich teurer als klassische Anlagemünzen wie der Philharmoniker oder der Maple Leaf.

Zudem werden sie von vielen Händlern nicht differenzbesteuert angeboten. Es wird beim Kauf also meistens der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent fällig. Außerdem richten sich diese Münzen primär an Sammler. Es dürfte daher gerade beim Verkauf schwierig werden, für in große Stückzahlen gekaufte farbige Münzen einen Abnehmer zu finden, der bereit ist, die Preisvorstellungen des Verkäufers zu bezahlen.

Tipp: Wer mit dem Gedanken spielt, Anlagemünzen zu erwerben, die auch einen Geschenkcharakter haben können, sollte auf die chinesischen Pandamünzen zurückgreifen. Sie werden in Gold und in Silber geprägt. Während die Motivseite mit dem namensgebenden Pandabären von Jahr zu Jahr wechselt, zeigt die Rückseite konstant den Tempel des himmlischen Friedens in Beijing. Die Münzen sind damit auch für Laien relativ leicht zu identifizieren.

Ohne Frage gehören die chinesischen Pandas zu den schönsten Silbermünzen weltweit. Da ihr Preis im Erscheinungsjahr nur leicht über dem Preis eines Philharmonikers oder eines Maple Leafs liegt, ist ihr Erwerb nur mit geringen Mehrkosten verbunden.

Als Geschenk verpackt sind sie eine kleine Aufmerksamkeit und eine bleibende Wertanlage in einem. Weil die Pandas weltweit zu den Anlagemünzen und nicht zu den Sammlermünzen zählen, ist für diese besonders schöne Form der Geldanlage auch immer ein Markt gegeben.