Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen erwartet auch im Falle eines Wechsels im Weißen Haus keine Rückkehr der Vereinigten Staaten in ihre alte außenpolitische Rolle. Auch wenn Donald Trump für einen "absoluten Bruch mit 70 Jahren amerikanischer Nachkriegspolitik" stehe, würden die USA auch unter Joe Biden nicht mehr in ihre alte Rolle zurückkehren, sagte Röttgen der "Bild". Man sei nicht mehr im Kalten Krieg.

"Die USA werden diese Rolle niemals wieder wahrnehmen." Zu den Gründen dafür sagte Röttgen: "Sie müssen sich um das eigene Land kümmern – zuallererst. Die zweite Priorität ist China: Das wird der Fokuspunkt auch unter Joe Biden in der Außenpolitik sein." Zu den möglichen neuen Perspektiven im deutsch-amerikanischen Verhältnis sagte der Experte: "Mit dem gesamten außenpolitischen Umfeld von Joe Biden – das ich sehr, sehr gut kenne, aber andere auch – kommen wir hervorragend aus." Röttgen mahnte zugleich eine stärkere Rolle Deutschlands in der europäischen Außenpolitik an. Einigkeit unter allen EU-Staaten könne es nicht immer geben. Darum gelte: "Wir müssen ein europäisches Gewicht in die Waagschale werfen, und dafür ist Deutschland entscheidend: Eine Gruppe zu bilden, die sagt `wir machen jetzt mal europäische Politik`." Das bedeute auch, die Verhältnisse zu vielen Akteuren neu zu definieren, so Röttgen. "China ist unter Xi Jinping nicht mehr nur ein Markt für manche deutschen Produkte, sondern die große Herausforderung. Da können wir manche Gemeinsamkeiten mit den USA finden." Ähnliches gelte mit Blick auf Russland: "Da ist auch eine gemeinsame Position aus der Stärke heraus geboten, und die können wir gemeinsam mit den USA formulieren."