Saarbrücken (dts Nachrichtenagentur) – Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat einen Kurswechsel in der Corona-Politik gefordert. "Ich glaube, wir müssen nach dem Sommer viel mehr als bisher auf die Krankenhausbelegung schauen, also auf die faktische Belastung unseres Gesundheitssystems, und weniger auf die Inzidenz", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). "Dieser Wert verliert an Aussagekraft, je mehr getestet wird und je mehr Menschen geimpft sind."

Hans riet davon ab, "in eine übergroße Ängstlichkeit" zu verfallen. Am Ende komme es darauf an, eine Überforderung unseres Gesundheitssystems zu vermeiden. "In Großbritannien gelingt das bislang – trotz steigender Inzidenzen", argumentierte er. Die Corona-Schutzmaßnahmen könnten auch in Deutschland nur so lange aufrechterhalten werden, wie sie dazu dienten, eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern, mahnte der Regierungschef. "Wenn wir allen ein Impfangebot gemacht haben, die Impfung wirksam ist gegen die vorherrschenden Virusvarianten und die Belegungszahlen in den Krankenhäusern auf niedrigem Niveau verharren, müssen wir unsere Corona-Maßnahmen schrittweise zurücknehmen." Alles andere wäre nach seiner Überzeugung auch verfassungsrechtlich nicht haltbar. Zugleich sprach sich Hans für weitere Anreize aus, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. "Ich halte nicht so viel davon, Menschen dafür zu bezahlen, dass sie sich impfen lassen", sagte er. "Aber man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird." Der Regierungschef forderte mobile Teams und Sonderaktionen gerade auch in sozialen Brennpunkten. Junge Leute müssten davon überzeugt werden, "dass sie auf Tests und Maske verzichten können, wenn sie sich impfen lassen". Das Schwänzen von Impfterminen kritisierte Hans als "Schlag ins Gesicht derjenigen, die seit Monaten auf einen Impftermin warten". Er sei allerdings kein Freund davon, "direkt mit Sanktionen zu drohen". Der Saar-Ministerpräsident kritisierte den bayerischen Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger (Freie Wähler) für sein Zögern, sich impfen zu lassen. "Ich finde das schwierig. Selbstverständlich ist die Impfung eine persönliche Entscheidung. Als Politiker ist man aber immer auch in einer Vorbildfunktion", sagte er. "Impfen ist Bürgerpflicht."