Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hält den knappen Wahlausgang in den USA auch für eine Warnung an Deutschland. "Die Auszählung der Stimmen in den USA war nicht nur ein tagelanger Polit-Krimi, sondern er ist auch eine eindringliche Warnung. Eine Warnung auch an uns in Deutschland, wohin es führen kann, wenn eine Gesellschaft sich spalten lässt", schreibt Scholz in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

In den USA sei es nicht allein der Gegensatz zwischen Arm und Reich, der das Land spalte. Es sei der immer stärker wachsende Gegensatz zwischen Großstadt-Bewohnern und der Landbevölkerung. "Auch bei uns in Deutschland ist zu beobachten, dass die Gesellschaft auseinanderläuft." Manche fühlten sich wie Bürger zweiter Klasse. "Andere wiederum glauben, dass ein gelungenes Leben nur mit Studium und toller Altbauwohnung möglich sei", so Scholz. Diese Entwicklung nannte er schlecht. Denn das Gemeinwesen funktioniere nur dann auf Dauer gut, wenn es alle in der Gesellschaft, "vom Kellner im Coffee-Shop, über die Feuerwehrfrau und Theaterdirektorin bis zum Facharbeiter bei VW am Fließband", als ihre gemeinsame Angelegenheit begriffen. Der Bundesfinanzminister appellierte an die Deutschen, mehr gegenseitigen Respekt zu üben: "Niemand sollte sich für etwas Besseres halten." Mitunter werde über großstädtische "Latte-Macchiato-Trinker" gelästert, was er für falsch halte. "Wichtig ist aber, dass der, der den Kaffee bestellt, demjenigen mit Respekt begegnet, der ihn zubereitet und ihm den Kaffee bringt." Und dass der Kellner im Coffee-Shop einen angemessenen Lohn erhalte. "Auch um diese Frage wird es bei uns in den nächsten Wochen und Monaten in der politischen Auseinandersetzung gehen", so Scholz.