Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Das Schutzprogramm für gefährdete afghanische Helfer der Bundeswehr ist angelaufen. Seit Ende Juni seien bereits sechs sogenannte Ortskräfte, die in den vergangenen Jahren in Afghanistan für die Truppe gearbeitet haben, gemeinsam mit ihren Ehefrauen und Kindern in Deutschland angekommen, berichtet der "Spiegel". Aus Bundeswehrkreisen hieß es demnach, insgesamt seien bereits 23 Afghanen mit Linienmaschinen von Turkish Airlines aus Masar-e Scharif ausgereist.

In den kommenden Tagen werden etwa 30 weitere Personen erwartet, die als gefährdet gelten. Die Bundeswehr organisierte kurz vor ihrem Abzug in einem beschleunigten Verfahren Ausreisepapiere für insgesamt 471 afghanische Helfer, die als sogenannte Ortskräfte in den vergangenen beiden Jahren zum Beispiel als Dolmetscher für die Truppe gearbeitet hatten. Die Afghanen werden zum großen Teil bereits seit längerer Zeit von den Taliban bedroht. Die Betroffenen dürfen auch ihre Ehefrauen und ihre minderjährigen Kinder mit nach Deutschland nehmen. Für diese wurden nach Angaben der Bundeswehr 2.380 zusätzliche Visa ausgestellt. Die Bundesregierung hatte das Schutzprogramm initiiert, weil man Racheakte der Taliban gegen die Helfer der Bundeswehr befürchtet. Allerdings kritisieren viele Afghanen, die in den vergangenen Jahren für die Bundeswehr gearbeitet haben, dass die Hürden für das Programm sehr hoch sind und dass sie nicht wissen, an wen sie sich nach dem Abzug der Truppe aus Afghanistan wenden sollen.