Berlin (dts Nachrichtenagentur) – SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnt vor einem flächendeckenden Einsatz sogenannter Pool-PCR-Tests an Schulen. "Ich wundere mich etwas über diesen Vorschlag", sagte er der "Welt" (Donnerstagausgabe) zu einer entsprechenden Initiative der Unionsfraktion im Bundestag. Beim Pool-PCR-Test komme das Ergebnis erst am Ende des Unterrichtstages.

"Dann hat ein positiv infiziertes Kind schon die ganze Zeit im Unterricht gesessen und bei der Delta-Variante möglicherweise sehr viele andere Kinder angesteckt." Bei der Nutzung von Antigen-Schnelltests könne ein infiziertes Kind hingegen innerhalb von 15 Minuten identifiziert werden – und direkt nach Hause gehen. "In diesem Fall schlägt die Schnelligkeit die Vorteile der PCR-Tests." Die Unionsfraktion hatte zuvor ein Papier verabschiedet, in dem sie zur Sicherstellung des Präsenzunterrichts nach dem Herbst auch regelmäßige Pool-PCR-Tests für nicht-geimpfte Schüler vorschlägt. Die Hamburger Schulbehörde kritisierte den Vorstoß der Unionsfraktion als unzureichend. "Wir prüfen in Hamburg aktuell, ob die sogenannten PCR-Lolli-Tests als Pooltests an Schulen eingesetzt werden können und bereiten ein Pilotprojekt vor", sagte der Schulsenator Ties Rabe (SPD) der "Welt" dazu. "Es wäre allerdings schön, wenn die Unions-Bundestagsfraktion statt wichtigtuerischen Ratschlägen konkrete Unterstützungsangebote machen würde." Ein wesentlicher "Gelingensfaktor" seien die "Kapazitäten an Logistik und vor allem auch an Laboren", heißt es in Hamburg. Tatsächlich könnten Engpässe bei der Auswertung noch zum Knackpunkt werden. "Ich freue mich, dass sich die Politik mit den PCR-Pool-Tests beschäftigt, sehe allerdings nicht, dass eine flächendeckende Anwendung überall realistisch ist", sagte Isabelle Suarez, Infektiologin und ärztliche Leiterin des Pilotprojekts "Schoco" ("Schul-Observation auf Corona") an der Uniklinik Köln. "Die PCR-Pool-Tests können Labore an ihre Grenzen bringen, vor allem dann, wenn die Inzidenz wieder steigt."