Statt E-Auto – Japan setzt auf Wasserstoff

Veröffentlicht: 25. März 2019 | 10:37 Uhr
Statt E-Auto – Japan setzt auf Wasserstoff

In Deutschland steht das E-Auto im Fokus, eine Million E-Autos sollen nach dem Willen der Bundeskanzlerin in naher Zukunft auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Das Ziel wird aber sehr wahrscheinlich nicht erreicht. Die Deutschen können sich nicht so recht mit der E-Mobilität anfreunden, sie sind eher skeptisch. Vielleicht ist das, was die Japaner gerade planen, eher etwas für die deutschen Autofahrer. Japan setzt für die Zukunft statt auf E-Autos auf Wasserstoff und will diese Wagen jetzt auch den Kunden in Europa schmackhaft machen.

Keine große Nachfrage

Er sieht schick aus, ist schnittig und doch elegant – der neue Toyota „Mirai“, den der japanische Autobauer im Rahmen des Genfer Autosalons vorgestellt hat. Nur leider möchte kaum jemand den schicken Wagen kaufen, bislang hat das erfolgsverwöhnte Unternehmen weltweit nur 7000 Exemplare verkauft. Vielleicht deshalb, weil der schicke „Mirai“ weder mit Strom noch mit Diesel oder Benzin fährt, er braucht Wasserstoff. 7000 Autos sind nichts im Vergleich zu den 13 Millionen Autos mit alternativen Antrieben, die Toyota bisher verkauft hat. Ein riesiger Erfolg auch, weil sich das Hybridmodell „Prius“ seit 1997 sehr gut verkauft hat. Aber die Japaner sind dennoch unzufrieden. Sie wollen, wie es Premierminister Shinzo Abe ausdrückt: in die „Wasserstoffgesellschaft“ einsteigen. Alles auf das Elektroauto zu setzen, wie es die Deutschen machen, finden die Japaner falsch.

Japan denkt ans Klima

Japan kann verstehen, dass sich ein Land ganz auf nur eine Technologie konzentrieren möchte. Das Land der aufgehenden Sonne will sich aber nicht auf eine Möglichkeit verlassen, die Japaner wollen die Brennstoffzelle und die Batterie anbieten. Das ist aber nicht allein eine Frage des Geschäfts und des Umsatzes, es geht auch um den Klimaschutz. Toyota hat große Ziele. Bei den Neuwagen will das Unternehmen den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 90 Prozent senken. Das heißt, mit der Brennstoffzelle jetzt und nicht erst irgendwann in weiter Zukunft zu beginnen. Vom wasserstoffbetriebenen „Mirai“ will Toyota bis zum übernächsten Jahr 30.000 Exemplare pro Jahr verkaufen. Was noch fehlt, ist die finanzielle Unterstützung. Das ist jedoch kein Problem, denn diese Unterstützung bekommen Unternehmen wie Toyota, Nissan und Honda in ihrem Heimatland.

Autos auf Steuerkosten

Umgerechnet kostet der „Mirai“ 56. 800 Euro und damit viel weniger als in Deutschland. In Japan hilft der Staat kräftig mit. Es gibt einen Zuschuss von 16.600 Euro und die Bürger von Yokohama haben gleich doppeltes Glück. Sie bekommen Geld von der Stadtverwaltung und von der Präfektur Kanagawa, zu der Yokohama gehört. Alles in allem liegt die Kaufprämie für den Wagen, der mit Wasserstoff fährt, bei 27.800 Euro. Das ist in Deutschland unvorstellbar, in Japan hingegen stört niemanden, dass ein Autokauf mit Steuergeldern subventioniert wird. Anders ausgedrückt, hier wird Wirtschaftspolitik mit der Brechstange gemacht. Autos, die mit Wasserstoff fahren, stoßen auf viel Skepsis. Das mag der Grund sein, warum so wenig Interesse an den Autos mit diesem Antrieb besteht. Japan will mit gutem Beispiel vorangehen und schon zu dem Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr 100 Wasserstoff-Busse einsetzen, welche die Gäste aus aller Welt durch die Hauptstadt Tokio fahren. Viele Japaner haben Angst vor Wasserstoff, denn vor acht Jahren sorgte das Zusammentreffen von Wasserstoff und Sauerstoff für die Katastrophe von Fukushima. Bild: @ depositphotos.com / malpetr