Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Berliner Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke fürchtet, dass die aktuellen Proteste von Corona-Skeptikern noch weiter eskalieren könnten. Bei den Corona-Widerständlern drohe das Unbehagen in einzelnen Fragen wie der Impfthematik in eine "fundamentale Systemfeindschaft und einen neuen Extremismus aus der Mitte" umzuschlagen, der jegliche Demokratie ablehne, schreibt von Lucke in einem Gastbreitrag im Magazin "Focus". Dagegen glaubt er nicht, dass sich aus den Protesten eine erfolgreiche Partei nach dem Muster der AfD entwickeln könnte.

"Widerstand allein ist noch kein Parteiprogramm", schreibt von Lucke. Anders als im Fall der Grünen oder der AfD, den beiden erfolgreichsten Parteineugründungen in der Geschichte der Bundesrepublik, handele es sich bei den Demonstranten um eine völlig amorphe Bewegung, die ohne konsistente Weltanschauung auskomme. Das mache allein der Name "Wir 2020" der Partei des Sinsheimer Arztes und Protest-Organisators Bodo Schiffmann deutlich, sagte von Lucke. Geeint seien die Protestierenden nur in der Abwehr gegen eine angebliche Corona-Diktatur als Herrschaft der Virologen. "Dahinter steckt die fast wahnhafte Idee eines alles und alle beherrschenden `Deep State`, eines tiefen Staates, der im Zusammenspiel mit den Mainstream-Medien die Menschen manipuliert und steuert", sagte von Lucke dem "Focus". Die Ablehnung jeglicher Einschränkungen der individuellen Freiheit hält er für besorgniserregend. Eine Partei könne immerhin Emotionen in die bestehenden Institutionen kanalisieren.