Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller hat als Konsequenz aus dem Abgas-Skandal bei Volkswagen Änderungen beim Aufgabenzuschnitt des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) gefordert. Dass die US-Umweltbehörde vor fünf Jahren die Manipulationen bei Schadstoffemissionen aufgedeckt habe und nicht das KBA, habe die Mängel in der Marktüberwachung in Deutschland sichtbar gemacht, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem "Handelsblatt" (Freitagsausgabe). "Zwar hat sich in den letzten fünf Jahren einiges getan, zum Beispiel wurden die Marktüberwachung gestärkt, Prüfkapazitäten aufgebaut und ein Beirat beim Kraftfahrt-Bundesamts eingerichtet, aber es fehlt etwa die Erweiterung der Aufsichtsziele um Verbraucherschutz."

Müller zog insgesamt eine gemischte Bilanz des Diesel-Skandals. "Mit seinem Betrug hat Volkswagen nicht nur Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher geschädigt, sondern auch das Vertrauen in die deutsche Autoindustrie und die Marke Made in Germany massiv erschüttert", sagte der VZBV-Chef. "Im Gedächtnis bleibt nicht nur der größte Wirtschaftsbetrug der deutschen Nachkriegsgeschichte – sondern auch die hartnäckige Weigerung des Konzerns, die Betroffenen in Europa angemessen zu entschädigen." Hintergrund ist, dass Volkswagen den US-Kunden seinerzeit schnell ein großzügiges Angebot gemacht hatte, um noch höheren Milliarden-Strafen und einer Flut von Klagen zu entgehen, während die Verantwortlichen hierzulande lange zögerten, Verantwortung zu übernehmen. VW habe damit "viel Vertrauen zerstört", was die gesamte Autoindustrie dringend wieder aufbauen müsse, so der VZBV-Chef. Müller sieht nun die Autobauer am Zug, durch den Dieselskandal verlorenes Kundenvertrauen wieder zurückzugewinnen, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. "Die zur Bewältigung der Klimakrise nötige Mobilitätswende kann nur gelingen, wenn die Verbraucher auf moderne und effiziente Autos umsteigen und den neuen Techniken vertrauen", sagte der Verbraucherschützer. "Die Menschen müssen sich im Autohaus darauf verlassen können, dass Angaben zu Schadstoffen, Verbrauch und Datennutzung in der Realität auch eingehalten werden."