Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Ostdeutsche wie Westdeutsche behalten ihre politischen und kulturellen Einstellungen laut einer aktuellen Studie überwiegend bei, auch wenn sie in den vergangenen 30 Jahren in den jeweils anderen Landesteil gezogen sind. Die Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW Econ wurde im Auftrag der "Zeit" und von "Zeit-Online" erstellt. Demnach haben bei der Bundestagswahl 2017 Ostdeutsche in beiden Landesteilen häufiger die AfD gewählt als Westdeutsche: 18 Prozent der Ostdeutschen im Osten und zwölf Prozent der in den Westen umgezogenen Ostdeutschen gaben an, für die Partei gestimmt zu haben.

Unter den Westdeutschen in beiden Teilen des Landes lag der AfD-Wähleranteil nur bei fünf bis sechs Prozent. Fast spiegelverkehrt verhielt es sich mit der Zustimmung zu den Grünen, die weit überwiegend von Westdeutschen gewählt wurden, unabhängig davon, ob diese in West- oder Ostdeutschland leben. Aus der Umfrage ergibt sich auch, dass Ostdeutsche wohl kritischer gegenüber Migration eingestellt sind: 46 Prozent der Ostdeutschen im Osten, aber auch 40 Prozent der Ostdeutschen im Westen machen sich "große Sorgen" im Zusammenhang mit Migration. Unter Westdeutschen ist diese Sorge deutlich weniger verbreitet. Bei jenen Westdeutschen, die heute in den ostdeutschen Bundesländern leben, ist sie mit 20 Prozent sogar am geringsten ausgeprägt. Westdeutsche in beiden Landesteilen sorgen sich hingegen deutlich stärker um die Folgen des Klimawandels. Die DIW-Studie basiert auf den Daten des sogenannten Sozio-oekonomischen Panels. Die DIW-Forscher hatten für die "Zeit" und "Zeit-Online" über 18.000 Tiefenbefragungen aufbereitet und in vier Gruppen eingeteilt: Ostdeutsche im Osten, Ostdeutsche im Westen, Westdeutsche im Osten und Westdeutsche im Westen.